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Monat Dezember 2010
Lasst uns menschlicher und fairer miteinander umgehen – egal welcher Religion oder Weltanschauung wir angehören. Sure 41:34: Die gute Tat ist nicht der schlechten gleich (zusetzen). Weise (die Übeltat) mit etwas zurück, was besser ist (als sie), und gleich wird derjenige, mit dem du (bis dahin) verfeindet warst, wie, ein warmer Freund (zu dir) sein. (Übersetzung Rudi Paret) Das Wunderbare am Jahreswechsel ist die Möglichkeit, das alte Jahr verabschieden zu dürfen mit all seinen erfreulichen und weniger erfreulichen Ereignissen. Das Loslassenkönnen empfinde ich als etwas psychologisch sehr Wichtiges für den Menschen. Es ermöglicht uns, neue Kraft und neuen Mut zu schöpfen und schafft Raum für gute Vorsätze. Es gab da einiges im alten Jahr, von dem ich mich sehr gerne verabschiedet habe. Vor allem, weil es einige turbulente Ereignisse gab, die ich als sehr angsterregend empfunden habe. Die Vorkommnisse überschlugen sich; eine Studie jagte die nächste, in der der Islam und die Muslime in immer negativerem Licht dargestellt wurden. Ich habe mich im vergangenen Jahr oft gefragt, was noch alles kommt. Vor allem mache ich mir viele Gedanken darüber, was die Zukunft bringen wird. Doch auch in schwierigen Zeiten mahnt uns ein Vers im Koran, dass wir Muslime keinesfalls unsere Zeit damit vergeuden sollen, in Lethargie zu verfallen. Denn Gott ändert den Zustand eines Volkes nicht, bevor es sich nicht selbst geändert hat. Sure 8: 53: Dies (ist so), weil Allah niemals eine Gnade ändern würde, die Er einem Volk gewährt hat, es sei denn, daß es seine eigene Einstellung änderte, und weil Allah Allhörend, Allwissend ist. Ich sehe darin einen Aufruf an jeden von uns, für Verbesserungen im Rahmen unserer Möglichkeiten einzutreten. Etwas, was mir besonders am Herzen liegt, und was, wie ich finde, in letzter Zeit vernachlässigt worden ist, könnte zum Vorsatz für uns alle werden: Lasst uns menschlicher und fairer miteinander umgehen – egal welcher Religion oder Weltanschauung wir angehören. Interesse am Befinden des Anderen zu zeigen, sich gegenseitig zu den Feiertagen zu gratulieren oder gar zu Hause zu besuchen, dies sollte selbstverständlich sein. Mir scheint, viele aufgebrachte Zeitgenossen sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht. Es wird heftig über das Weltgeschehen diskutiert, und dabei werden die zwischenmenschlichen Begegnungen vernachlässigt. Immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, sich auf eine natürliche Art und Weise aufeinander einzulassen. Zu groß scheinen Vorurteile und Ängste zu sein. Dabei wäre ein freundliches und menschliches Miteinander der beste und leichteste Weg, das zu ändern. Ein Vers gefällt mir in diesem Zusammenhang besonders gut. In Sure 41 Vers 34 lesen wir, dass aus Feinden Freunde werden können, wenn sie bereit sind, auf negatives Verhalten positiv zu reagieren. Das ist ein, wie ich finde, schwieriger und gleichzeitig wichtiger Ansatz auf dem Weg zu mehr Menschlichkeit. Sure 8:53: Dies (geschieht) deshalb, weil Gott eine Gnade, die er einem Volk erwiesen hat, nicht abstellen will, solange sie nicht (ihrerseits) abstellen, was sie an sich haben. Gott hört und weiß (alles). (Übersetzung Rudi Paret) Sure 41:34: Die gute Tat ist nicht der schlechten gleich (zusetzen). Weise (die Übeltat) mit etwas zurück, was besser ist (als sie), und gleich wird derjenige, mit dem du (bis dahin) verfeindet warst, wie, ein warmer Freund (zu dir) sein. (Übersetzung Rudi Paret)
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04.01.2011 · 07:20 Uhr
Von Lamya Kaddor Die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ist auch aus islamischer Sicht umstritten. Es wäre zu kurz gedacht, sich hier bloß auf die moralischen Gefahren dieser neuen Technologien zu konzentrieren. Die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, ist auch aus islamischer Sicht umstritten. Es wäre zu kurz gedacht, sich hier bloß auf die moralischen Gefahren dieser neuen Technologien zu konzentrieren. Egal wie groß die Gefahren auch sind, die Nöte der Betroffenen bleiben in jedem Fall bestehen. Und wenn sich Eltern ein Lösungsweg bietet, werden sie ihn suchen und finden. Es geht also letztlich nicht darum, ob man das Machbare machen darf, sondern wie sich das Machbare kanalisieren lässt.
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Gemeinsam statt einsam – Von Murad Wilfried Hofmann Stolpersteine auf dem Weg zum christlich-islamischen Verständnis
Beginnen wir denn mit den Stolpersteinen, die beide Seiten auf ihrem Weg zueinander platziert haben. Davon gibt es einige. Weshalb es voreilig - obgleich berechtigt - wäre, nach dem etwas utopischen, jedenfalls unhistorischen, christlich-jüdischen Modell bereits von einem christlich-islamischen Vermächtnis zu sprechen. Doch davon zu träumen, ist angesichts der Religionsentwicklung in Europa erlaubt; denn so konfrontativ, ja blutrünstig die hiesige Religionsgeschichte auch war, steht sie doch der heutigen Ökumene nicht im Wege.
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Zuwanderungsdebatte in Deutschland In der Integrationsdebatte wird oft der Eindruck erweckt, dass es je nach Herkunft besser oder schlechte integrierte Migranten gebe. Das empirische Datenmaterial über die in Deutschland lebenden Migranten lässt aber eine solche Wertaussage nicht zu. Denn hierfür müsste man wissen, was unter Integration eigentlich verstanden wird. Von Kamuran Sezer
Solange es keinen Definition darüber gibt, was Integration ist, kann man keine Aussagen darüber machen, ob und wie bestimmte Migrantengruppen integriert sind, meint Kamuran Sezer | ||
| Wenn man sich die Frage stellt, woran man ein Quadrat erkennt, fällt die Antwort möglicherweise leicht. Bereits in der Schule hat man gelernt, dass ein Quadrat eine geometrische Form darstellt, die durch Merkmale wie gleichseitig, gleichwinklig, drehsymmetrisch usw. erkannt werden kann. Der Empiriker würde im Zweifel ein Geodreieck hervorholen, um zu überprüfen, ob die besagte geometrische Form alle objektiven Merkmale eines Quadrats erfüllt. Schwieriger ist hingegen die Frage zu beantworten, woran man eine erfolgreich integrierte Person mit Migrationshintergrund erkennen kann. Je nach Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund, Einkommen usw. fallen die Antworten auf diese Frage sehr unterschiedlich aus. Sie wären genauso individuell und vielfältig wie die Menschen in unserer Gesellschaft. Im Gegensatz zum Quadrat existiert vor allem in Deutschland keine allgemeingültige und anerkannte Definition für Integration. Dies ist nicht nur ein Makel in der deutschen Integrationspolitik, sondern ihr zentrales Problem, das die in der Öffentlichkeit geführten Debatten kompliziert macht und willkürlich wirken lässt. Jeder, der sich in der Integrationsdebatte zu Wort meldet, hat irgendwo und irgendwie Recht. Es gibt in Deutschland lediglich eine Übereinkunft über den kleinsten gemeinsamen Nenner, was erfolgreiche Integration auszeichnet. Demnach ist ein Migrant erfolgreich integriert, wenn er die deutsche Sprache beherrscht, einen Bildungsabschluss besitzt und erwerbstätig ist. Ein solcher Integrationsbegriff ist jedoch äußerst problematisch. Wendet man ihn an, so müsste auch Mohammed Atta, einer der Todespiloten vom 11. September, als integriert gelten. Er beherrschte die deutsche Sprache sehr gut. So gut sogar, dass er in Deutschland einen akademischen Abschluss erlangte. Eine solche Operationalisierung, also die Messbarmachung des Begriffs Integration, birgt außerdem eine geringe Aussagekraft und ist in Hinblick auf die gesellschaftspolitische Steuerung dieses politischen Handlungsfeldes wenig praktikabel. Kategorisierung nicht möglich Wendet man die Schablone dieses Integrationsbegriffs beispielsweise auf meine Eltern an, würden sie als schlecht integriert gelten. Sie haben höchstens die Grundschule absolviert und beherrschen kaum bis gar nicht die deutsche Sprache. Wie kann es dann sein, dass alle ihre Söhne eine Ausbildung abgeschlossen haben, die deutsche Sprache sehr gut beherrschen und erwerbstätig sind? Kanzlerin Merkel auf dem Integrationsgipfel: "Wir befinden uns inmitten eines Aushandlungsprozesses über den Integrationsbegriff, der sehr kontrovers, emotional und hitzig verläuft", schreibt Sezer. Ich kenne auch einige türkische Familien, die alle Kriterien des Integrationsbegriffs erfüllen. Im perfekten Deutsch werden jedoch antisemitische Positionen vertreten oder in nationalistisch gefärbten Tönen eine strikte Assimilierungspolitik von ethnischen Minderheiten in der Türkei gefordert.Der Versuch, die im Alltag repräsentierten Lebenskonzepte von Migranten anhand des Kriterienkatalogs des Integrationsbegriffs einzuordnen und zu kategorisieren, ist also schnell zum Scheitern verurteilt. Es funktioniert nicht! Mit anderen Worten: In Bezug auf die praktische Integrationsarbeit bietet ein solcher Integrationsbegriff so viel Erkenntnis- und Nutzwert wie die Aussage, dass Nahrungsaufnahme sowohl wichtig für den Körper ist als auch Übergewicht verursachen kann. Integration muss offensichtlich aus mehr bestehen als aus der Beherrschung der deutschen Sprache, dem Besitz eines Bildungsabschlusses und Erwerbstätigkeit. Keine Wertaussagen über Integration möglich Es gibt in Deutschland empirisches Datenmaterial, das die Lebens-, Bildungs- und Arbeitsmarktlage von Migranten messbar macht. Eine zentrale Quelle ist der Mikrozensus. 2005 wurde erstmals auch der Migrationshintergrund der Bevölkerung erhoben. Seitdem wissen wir, dass fast jeder Fünfte einen Migrationshintergrund hat. ![]() "Empirische Studien lassen eine qualitative Aussage hinsichtlich des Integrationserfolgs nicht zu", schreibt Sezer. Auch das Ausländerzentralregister ist eine solche Quelle für Forschung und Politik. Der Sozioökonomische Panel oder die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, der Integrationsbericht der Bundesregierung und der Integrationsbarometer des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration zählen zu diesen wichtigen Quellen. Sie alle lassen aber keine Wertaussage zu, dass eine Migrantengruppe besser integriert sei als eine andere, wie es beispielsweise Thilo Sarrazin behauptet. Wie man mit dem Versuch scheitern kann, anhand des Mikrozensus‘ eine vergleichende Wertaussage über den Integrationserfolg von Migranten zu treffen, demonstrierte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung im Januar 2009. In seiner Studie "Ungenutzte Potenziale – Zur Lage der Integration in Deutschland" haben die Autoren die Daten aus dem Mikrozensus ausgewertet, um den Integrationserfolg von Migrantengruppen zu messen und – noch merkwürdiger – diesen Erfolg in ein Ranking zu pressen. Die vielfache Kritik an der Studie durch das Fachpublikum war berechtigt. Ihr seichtes Driften an den Rand der Integrationsdebatte ebenso. Fehlende normative Referenzen Das Fehlen einer Definition für Integration bestimmt die Art, wie die verfügbaren Daten gelesen werden müssen. Denn: Ohne Definition - keine Operationalisierung. Ohne Operationalisierung - keine Messung. Ohne Messung - keine vergleichbaren Wertaussagen. Ein Ergebnis aus dem Mikrozensus 2005 lautet, dass 27,52% der Männer aus der Ukraine Arbeitslosengeld 1 und 2 beziehen. Damit sagt dieses Ergebnis eben nur aus, dass 27,52% dieser Männer aus dieser Community ihr Leben auf diese Weise bestreiten. Eine qualitative Aussage hinsichtlich des Integrationserfolgs lässt ein solches Ergebnis nicht zu. Solange keine Definition für Integration existiert, beschreiben solche empirischen Daten lediglich einen IST-Zustand. Sie bieten aber keinen Raum für qualitative Interpretationen zum Erfolg oder Misserfolg von Integration. Deutsche Islamkonferenz 2010: Die Islamkonferenz biete eine effektivere Plattform für die Aushandlung des Integrationsbegriffs als der Austausch über den freien Meinungsmarkt, meint Kamuran Sezer. Um aufbauend auf den vorliegenden empirischen Datenmaterialien eine Wertaussage formulieren zu können, wird eine anwendbare und praktikable Definition von Integration benötigt, die als Norm bzw. als normative Referenz fungiert, um anhand der beobachtbaren und messbaren Abweichung zur Norm urteilen zu können, ob ein Migrant bzw. eine Migrantengruppe integriert ist oder nicht. Solange eine praktikable Definition von Integration in der deutschen Integrationsdebatte fehlt, verwundert die weit verbreitete Meinung nicht, dass Sarrazin mit seinen Thesen irgendwo und irgendwie Recht habe. Manchmal ist es auch einfacher, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, auch wenn die empirische Realität ganz anders aussieht. |
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