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Monat Juli 2011

 

 

Demut, Erde, Wasser

Demütig wie Erde und angenehm wie Wasser. So möchte ich einen mir lieben und nahestehenden Menschen beschreiben, der vor einigen Tagen nach langer Krankheit von uns gehen musste. Ihr tiefes Wesen ist mir erst nach ihrem Tod bewusst geworden.
Bescheidenheit kennzeichnete ihren Umgang mit Anderen. Sie dachte mehr an Andere als an sich. Sie war immer bereit zu helfen, wenn dies nötig war. In ihrer Anwesenheit spürte ich eine Leichtigkeit, die die Zuneigung der Menschen magisch anzog.

Ihr Tod ist für viele Menschen in meiner Umgebung, sowohl für Muslime als auch für Christen, ein schmerzhafter Verlust. Sie war für andere da, sie kümmerte sich, sie setzte sich ein. Sie engagierte sich mit Verve für ein friedliches Zusammenleben, für den Dialog zwischen Muslimen und Christen.

Demütig wie Erde und angenehm wie Wasser.

Das war das Lebensmotto des Propheten Mohammed, an dem ich mein Leben auszurichten versuche.

Erde und Wasser – die Grundvoraussetzungen für Leben. Die Demut der Erde drückt sich in ihrer Duldsamkeit aus. Jeder betritt sie, benutzt und beschmutzt sie sogar.

Wir sollen sie ehren, deshalb legen wir Muslime im Gebet unsre Stirn vor der Allmacht Gottes auf die Erde.

Das Wasser ist auch ein Symbol für Bescheidenheit und Leichtigkeit. Es passt sich allen Gegebenheiten an. Es ist beweglich und füllt sichtbare und unsichtbare Räume.

Ich denke, der Mangel an irdener Demut gepaart mit der fließenden Bescheidenheit des Wassers ist ein wichtiger Grund für viele unserer heutigen Probleme.

Demut und Bescheidenheit – heute klingen diese Begriffe antiquiert, realitätsfern und unmodern. Heute scheint viel eher das Komplizierte en vogue zu sein. Der Mensch ist dabei, immer mehr an Leichtigkeit in vielen Dingen zu verlieren. Im Umgang mit sich selbst, mit seiner Umgebung und letztendlich mit Gott. Ich frage mich, wohin führt das? In was für einer Gesellschaft leben wir, wollen wir leben? 

Ich frage mich das in den letzten Tagen vor allem deshalb vermehrt, weil sich gerade zwei nahe Freunde für immer aus Deutschland verabschiedet haben und woanders ihr Glück suchen. Sie gehen, weil sie es leid waren, als fremd und anders angesehen zu werden. Sie gehen, obwohl sie hier Aufnahme und Bildung fanden.

Natürlich frage ich mich, ob mein Weg des Dialogs der Religionen und Kulturen, der richtige Weg ist. Denn ich spüre die Widerstände auf beiden Seiten. Ich kenne die Ängste, die Zweifel und die Ablehnung. Ich weiß, wie sehr gläubige Muslime unter weitverbreitetem Misstrauen der Mehrheitsgesellschaft leiden. Vielleicht würde uns Muslimen ein „muslimischer (Kirchen)Moscheetag“ auch gut tun, wo wir uns austauschen könnten; wo wir als Teil dieser lebhaften bundesdeutschen Zivilgesellschaft wirken könnten.

Ausschlaggebend für jeden Erfolg ist das eigene Engagement. Wir sollten nicht darauf warten, dass wir zum Mitmachen aufgefordert und eingeladen werden. Wir sollten uns einbringen, mitgestalten und Themen setzen. Persönliche Begegnungen mit Menschen guten Willens geben mir immer wieder neuen Mut, weiter auf Dialog zu setzen und trotz aller Mühsal meinen Weg weiter zu gehen. Ich bin überzeugt davon, dass jeder von uns verpflichtet ist, seinen Beitrag für eine gemeinsame freiheitliche Gesellschaft zu leisten. 

Eine Gesellschaft, in der die Würde des Menschen an oberster Stelle steht. Eine Gesellschaft, in der Christen für Muslime beten und umgekehrt, wie dies bei meiner verstorbenen Freundin der Fall war. Ihr starker Glaube, ihre Geduld und Sanftmütigkeit wecken in mir neuen Mut und geben mir Kraft, denn sie war demütig wie Erde und angenehm wie Wasser.

Emina Corbo-Mesic

Juni 2011 














 

 

„Muslimisches Leben in Nordrhein-Westfalen“

Vortrag und Diskussion

Montag, 20. Juni 2011, 19 Uhr

Referent: Wael El-Gayar, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW

Haus der Vielfalt, Brüdergasse 16-18, Bonn-Innenstadt

Muslime sind trotz ihrer wachsenden Zahl über Jahrzehnte in Deutschland nicht wirklich wahrgenommen worden. Dies hat sich inzwischen verändert und es wird an vielen Stellen und auf vielfältige Weise über den Islam in Deutschland diskutiert. Oft geschieht dies jedoch pauschalisierend und abwertend. Muslime fühlen sich zurecht immer wieder klischeehaft beschrieben oder auf Themen wie Moscheebau und Kopftuch reduziert, obwohl beides nur einen Teil der Muslime betrifft. In Bonn waren zudem in den letzten Monaten extremistische Gruppierungen und der Umgang der Moscheevereine mit ihnen beherrschendes Thema. 

Nun ist zur 2009 erschienenen Studie der Deutschen Islam Konferenz „Muslimisches Leben in Deutschland“ kürzlich die Zusatzstudie des Landes NRW „Muslimisches Leben in Nordrhein-Westfalen“ erschienen. Damit wird die Wirklichkeit und Wahrnehmung muslimischen Lebens in unserer Gesellschaft genauer in den Fokus genommen und die Diskussion versachlicht.  

Wie viele Muslime leben tatsächlich in NRW? Wie gestaltet sich eigentlich ihre religiöse Praxis? Was sagt die Statistik zum Kopftuch und wie sieht es mit der Integration aus?  

Dies und mehr aus der NRW-Studie wird in einer Veranstaltung vorgestellt, auf die wir Sie schon heute hinweisen möchten.

www.mais.nrw.de/08_PDF

 

 

 Elisabeth Mariam Müller

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Stand: 22.01.2012

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