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Bildung ist das Wichtigste
Bildung
| Die soziale Ausgrenzung wird weiter gefestigt
Drittklässlertests Schule scheitert![]() Harald Martenstein: Tagesspiegel-Kolumnist. - Foto: ddp Ein Teil der Berliner Lehrerschaft will sich einem Test verweigern, dem in Berlin, wie anderswo auch, wieder alle Drittklässler ausgesetzt werden sollen. Dieser Test soll ermitteln, was die Schüler können, er lässt aber auch Rückschlüsse auf die Leistungen der Lehrer zu. Die meuternden Lehrer, die in sogenannten Problemkiezen arbeiten, sagen, dass ihre Schüler die meisten Fragen nicht einmal begreifen – unter anderem geht es darum, die Geschichte „Der Hase und der Igel“ zu verstehen. Die Schüler würden diskriminiert, dadurch, dass man ihnen die gleichen Fragen stellt wie Mittelschichtkindern. Dazu habe nun auch ich ein paar Fragen. Wenn den meuternden Lehrern der deprimierende Wissensstand ihrer Schüler bestens bekannt ist – wieso meutern sie erst jetzt, wo dieser Test wieder auf sie zukommt? Wäre es nicht, wie an der Rütli-Schule geschehen, früher an der Zeit gewesen, öffentlich „Alarm“ zu rufen? Ich rede nicht von internen Briefen, die es sicher gab, ich rede von einem Aufschrei. Wie stellen sich diese Lehrer den weiteren Lebensweg ihrer Schüler vor? Hoffnungslos? Müssten ihr pädagogischer Ethos ihnen nicht verbieten, das schweigend hinzunehmen? Ist ihnen klar, dass nach dem Ende der Schulzeit, draußen im Leben, sowieso an alle die gleichen Fragen gestellt werden? Wieso werden Kinder, die weder Deutsch können noch einfachste Zusammenhänge begreifen, stillschweigend versetzt, und wieder versetzt, und noch einmal versetzt, bis sie am Ende ein wertloses Pseudozeugnis in der Hand halten? Statt dass ihnen geholfen wird? Ist nicht auch das ein Fall von Vertuschung, ein Fall von Missbrauch? Worauf hoffen die Bildungspolitiker eigentlich? Darauf, dass eine Quote eingeführt wird, die alle Arbeitgeber verpflichtet, 20 Prozent Analphabeten einzustellen? Wie schläft es sich, als Politiker, mit dem Bewusstsein, dass gerade eine ganze Generation von Berliner Kindern in den sicheren sozialen Untergang marschiert? Auf dem Rücken der Lehrer ruht die Last einer jahrelang verfehlten Berliner Bildungspolitik, ich klage wirklich nicht die Lehrer an. Aber es hat auch bei diesem Skandal, wie bei anderen, keinen Zweck, zu vertuschen und zu verschweigen. Der Test ist gut, weil er das Bildungsdesaster offenlegt. In Berlin werden ja jetzt alle Kinder möglichst lange gemeinsam unterrichtet – letzte Frage: Wird man dann, um Diskriminierung zu vermeiden, alle Klassenarbeiten in zwei Versionen schreiben, eine für die Mittelschicht, eine für die Unterschicht? Nein. Man erwartet, allen Ernstes, dass die Mittelschichtkinder das leisten, woran Schule, Lehrer und Politik gescheitert sind, sie sind es, die in Zukunft ihren Mitschülern Lesen und Schreiben beibringen sollen. Das ist das Berliner Konzept. Kommentar von mir: Dass ist nicht nur in Berlin so, wie soll es denn weitergehen, wenn man ganze Generationen unter den Tisch fallen lasst, und wenn man darauf hinweist, das die Sprache die wichtigste Grundlage ist, wird man auch noch beschimpft. Die Folgen an den Schulen ist dann, das Versagen der Lehrer und der Politik, stellt Psychologen ein, die sollen es dann richten. Kinder, denen das Lernen abgewöhnt wird, weil sie ungerecht behandelt und ist abgeschoben fühlen, werden aggressiv.
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Große Unterschiede in der Bildung nach HerkunftsländernDas Niveau schulischer Bildung ist bei Menschen mit Migrationshintergrund durchschnittlich niedriger als in der angestammten Gesellschaft. Speziell unter den Zuwanderern aus muslimischen Herkunftsländern weisen Muslime ein niedrigeres Bildungsniveau auf als Angehörige anderer Religionsgemeinschaften. Dennoch bestehen auch unter den muslimischen Migranten größere Unterschiede je nach Herkunftsland. Wie schon vielfach in anderen Studien ermittelt, belegt auch die Studie des Bundesamtes, dass die Gruppe der türkischstämmigen Muslime den höchsten Bildungsrückstand aufweist: einem Anteil von 17 Prozent ohne Schulabschluss stehen nur 28 Prozent an Personen mit hohem Bildungsabschluss gegenüber. Nur Muslime aus dem Nahen Osten und sonstigen afrikanischen Ländern schneiden mit einem Anteil von 17 bzw. 15 Prozent an Personen ohne Schulabschluss ähnlich schlecht ab. Mit Abstand das höchste Bildungsniveau weisen hingegen iranischstämmige Muslime auf. Über 80 Prozent von ihnen verfügen über die Hochschulreife. |
den 26.03.2010
zu lesen bei ![]()
Was diese Studie aussagt, wissen Eltern von Migranten schon lange.
![]() Die Unterschichtsbremse für die Oberschulen greift höchst zuverlässig: Viertklässler aus armen Familien und Migrantenfamilien bekommen viel seltener eine Empfehlung fürs Gymnasium als Kinder betuchter Eltern - bei gleichen Noten. Eine Wiesbadener Studie offenbart, wie ungerecht Lehrer entscheiden
Bundespräsident Horst Köhler beklagt Ungleichheit in der Bildung. Bundespräsident Horst Köhler hat die ungleichen Zugangschancen zu guter Bildung in Deutschland als "beschämend" kritisiert. "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass die schulische Entwicklung eines Kindes immer noch maßgeblich von seiner Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern bestimmt wird", appellierte Köhler am Dienstag bei der Eröffnung des Deutschen Historikertages in Dresden. Gute Bildung sei für jeden und die Gesellschaft insgesamt unendlich wichtig. Die Ungleichheit in der Bildung sei "vielleicht sogar die ungerechteste" in Deutschland. Studien offenbarten "erschreckende Lücken in der historischen Bildung vor allem von jungen Menschen". (dpa) Lehrer lassen arme Kinder zu selten ans Gymnasium |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | In den Schulen haben Lehrer selten einen Migrationshintergrund. Probleme muslimischer Jugendlicher in Deutschland In Deutschland leben derzeit über drei Millionen Menschen muslimischen Glaubens - ein Großteil in der dritten und vierten Generation. Viele der jugendlichen Muslime die hier aufgewachsen sind, haben immer noch mit Integrationshemmnissen zu kämpfen. In Deutschland fehlten lange Zeit seriöse Statistiken und Einblicke in den Alltag und in die Lebenswelten muslimischer Familien. Wie erste qualitative Studien zeigen, leben viele Kinder und Jugendliche im deutschen Alltag in gegensätzlichen Kulturen. Kultureller Spagat Ihr Elternhaus erleben viele Jugendliche, so die Sozialpsychologin Christine Henry- Huthmacher, als kulturelle Enklave in der Mehrheitsgesellschaft. Im neuesten Buch der niederländischen Autorin Margalith Kleijwegt "Schaut endlich hin. Wie Gewalt entsteht - Bericht aus der Welt junger Immigranten" beschreibt Henry-Huthmacher die Situation junger Immigranten in Deutschland. Rigide Moral- und Wertevorstellungen und autoritäre Strukturen kollidieren mit einer als liberal erlebten westlichen Gesellschaft - zwei Lebenswelten, die nicht zueinander passen. Autoritäre Erziehungsmethoden wie die Prügelstrafe und innerfamiliäre Gewalt, so Henry-Huthmacher weiter, seien Auslöser späterer Gewalttätigkeiten junger Migranten. Dass Kinder mit Migrationshintergrund meist aus sozial benachteiligten Schichten kommen und vergleichsweise schlechte Deutschkenntnisse besitzen, fördere die Isolation und die Ghettoisierung und sei gleichzeitig Keimzelle für eine Spirale der Gewalt. Hinzu komme, dass Kinder und Jugendliche ihren Eltern gegenüber eine gewisse Überlegenheit verspürten, da sie meist mehr soziale Kontakte haben und die Sprache besser beherrschen. Bildungsmisere Mehr als 70.0000 Schüler in Deutschland sind muslimischen Glaubens. Vor allem türkische Jugendliche besuchen überproportional häufig die Hauptschule und weisen die niedrigste Gymnasiastenquote auf, so der Bericht zur Lage der Ausländer in Deutschland vom Dezember 2007. Fast jeder fünfte Jugendliche aus einer Einwandererfamilie verlässt die Schule ohne einen Abschluss. Auch auf dem Ausbildungsmarkt sieht die Lage schlecht aus. So bleiben 40 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Anschluss an die Schulzeit ohne jede weitere Ausbildung. Die fehlenden und unzureichenden Qualifikationen seien einer der Hauptgründe für das doppelt so hohe Arbeitslosigkeits-Risiko unter Migranten im Vergleich zu Deutschen, so der Bericht. Bezogen auf einzelne Herkunftsländer ist die Quote der Unqualifizierten unter Migranten türkischer Herkunft am höchsten. Nur 40 Prozent der Migrantenkinder machen einen mittleren oder höheren Schulabschluss. An den Universitäten beträgt der Anteil von Studenten mit Migrantionshintergrund nur 3,3 Prozent. Ausgrenzung und Gewaltpotenzial Hätten Jugendliche mit ausländischen Eltern die gleichen Bildungschancen wie gleichaltrige Deutsche, stellt der Kriminologe Christian Pfeifer in einer Studie fest, ginge auch die Zahl der Gewalt- und Intensivtäter unter ihnen zurück. "Zwar sei die Jugendkriminalität kein Ausländerthema", so Pfeifer, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 43 Prozent der Gewalttaten in Großstädten werden von Jugendlichen mit Migrationshintergrund begangen. Bestätigt wird dieser Trend von einer Studie des Innenministeriums zu Gewalt gegen Andersgläubige vom Dezember 2007. Sie stellt fest, dass jeder vierte junge Anhänger des Islam zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit sei. Auch der Kultur und Sozialanthropologe Werner Schiffauer betont den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Ausgrenzung und einer zunehmenden Religiosität und Islamisierung muslimischer Migranten. "Jugendliche etwa, die in der dritten Generation in Deutschland leben, fühlen sich als Deutsche und werden trotzdem nur als Ausländer wahrgenommen." Diese Jugendlichen suchten Antworten auf ihre Diskriminierung, die sie dann in ihrer religiösen Identität und Zugehörigkeit fänden, so der Forscher. Defizite und Auswege "Obwohl knapp ein Viertel der in Deutschland geborenen Kinder einen Migrationshintergrund haben, sind Lehrer mit dieser Herkunft immer noch die Ausnahme", reklamieren die Autoren des Buches "Islam im Klassenzimmer - Impulse für die Bildungsarbeit". Über 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer seien Deutsche. Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen sind eine wesentliche Voraussetzung für eine bessere Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation für Jugendliche mit Migrationshintergrund und somit auch ein besserer Integrationskatalysator. Die Fürsorge beginne, so das Fazit des Buches "Schaut endlich hin. Wie Gewalt entsteht - Bericht aus der Welt junger Immigranten", im Kindergarten mit einer verbesserten Betreuung ausländischer Kinder. Das bedeute Sprachförderung, Einbeziehung der Eltern in den Kindergarten und in die Schule. Und nicht zuletzt müsse vor allem in den Hauptschulen Gewaltprävention betrieben werden, um die Spirale der Gewalt zu beenden, so das Fazit. Erste Gehversuche in diese Richtung sind bereits getan, wie der nationale Integrationsplan der Bundesregierung zeigt. Mit Material von ZDF |
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Emina Corbo-Mesic Islam und Bildung | |
Islam und Bildung scheinen heute zwei beinah gegensätzliche und sich ausschließende Begriffe zu sein. Denn mit Islam verbinden viele Menschen eher Unwissenheit, niedriges Bildungsniveau und vor allem geringe Förderung von Mädchen und Frauen. Bildung spielt im Islam jedoch eine ungemein wichtige Rolle. „Iqra, Lies!“ - so lautete das erste Wort, die erste Botschaft, die der Prophet Mohammed, Friede sei mit ihm, von Gott erhielt. Im Koran heißt es in Sure 96: Sure 96,1-5 Das Wort Iqra´ bedeutet: lies. Es bedeutet aber auch untersuchen, erforschen, gründlich durcharbeiten. Gott hat diese Aufforderung nicht zufällig gewählt. Denn wie kann ein Mensch gläubig sein, ohne seine Religion verstehen und erforschen zu wollen? Wie können Menschen unterschiedlichen Glaubens aufeinander zugehen, wenn sie über ihre eigene Kultur und Religion nur wenig wissen? Im Koran schließen sich Glaube und Bildung nicht aus. Im Gegenteil: Bildung im weitesten Sinne wird an genauso vielen Stellen erwähnt wie der Glaube. Jeder Muslim, Junge oder Mädchen, Mann oder Frau, sollte sich so intensiv wie möglich der eigenen Bildung widmen und folgende Worte Gottes aus dem Koran bedenken: Sure 35, 28 Im Islam geht man davon aus, dass jemand sich seines Schöpfers umso stärker bewusst wird, je mehr er sich mit ihm beschäftigt. Im Koran finden wir Hinweise und Erklärungen Gottes auf Geschehnisse und Gesetzmäßigkeiten in der Natur, die zur Zeit des Propheten Mohammed noch gänzlich unbekannt waren. Sie sollen uns zum Nachdenken anspornen. Beispiele dafür sind folgende Koranverse: Sure 20:114 Sure 58:11 | Auch zahlreiche Hadithe - Aussprüche des Propheten Mohammed - verdeutlichen die große Bedeutung von Bildung und Wissenserwerb. Wir Muslime scheinen dies im Laufe der Jahrhunderte vollkommen vergessen und ignoriert zu haben, sonst würden wir uns heute nicht in einer solch schwierigen Lage befinden. In der muslimischen Welt des frühen Mittelalters versperrten keine Hindernisse oder Verbote den Frauen das Streben nach Wissen. Im Gegenteil, die Religion hat sie sogar dazu ermutigt. Eine der berühmtesten Frauen der islamischen Geschichte ist Aischa, die Frau des Propheten. Sie gilt aufgrund ihres außerordentlichen Gedächtnisses und ihrer herausragenden Intelligenz als eine der verlässlichsten Quellen bei der Überlieferung der Aussprüche und Handlungsweisen des Propheten Mohammed. Mehr als 2000 Hadithe gehen auf sie zurück. Sie gilt als eine der großen Hadith-Lehrer. Im Abendland ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass viele zivilisatorische Errungenschaften des modernen Zeitalters in engem Zusammenhang stehen mit den wissenschaftlichen Leistungen morgenländischer Gelehrter. So übersetzten beispielsweise Muslime Werke griechischer, persischer und indischer Philosophen ins Arabische. Muslimische Mathematiker, Astronomen und Chemiker zögerten nicht, vom Wissen der Völker zu profitieren, es weiter zu entwickeln und an nachkommende Generationen weiterzugeben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Medizin. Vor allem in den Bereichen Anatomie und Pharmazie erzielten muslimische Ärzte enorme Fortschritte. Ihre Werke gehören bis heute zur Basisliteratur der ganzheitlichen Medizin Das Streben nach Wissen darf indes nicht nur der Vermehrung von Wohlstand, Macht und Ansehen dienen. Es sollte dem Menschen vielmehr dazu dienen, eine Balance zwischen dem Diesseits und dem Jenseits zu finden. Wir leben in einer Zeit, in der sich Technik rasant entwickelt und der Mensch oft auf der Strecke zu bleiben droht. Deshalb sollten wir zu den ursprünglichen Motiven der Bildung zurückfinden. Wissen und Bildung sollen das Leben der Menschen bereichern, unterstützen und weiterentwickeln. Sie sollen zum friedlichen Fortschritt aller beitragen, und sie sollen helfen, sich der Schöpfung und des Schöpfers bewusster zu werden. | |
| Des Menschen Bildung | ||
| „Der beste Mensch ist der, der den Menschen am meisten nützt.“ Diese Worte stammen von unserem Propheten Muhammed (s.a.a.w.s.). Vor bald 1400 Jahren hat der Gesandte Gottes der Menschheit ein völlig neues Konzept des Miteinanders gebracht. Stämme, Hautfarbe, Familie, Volkszugehörigkeit, Geschlecht – das alles spielte in diesem neuen Konzept keine herausragende Rolle mehr. Wirklich wichtig war das gemeinsame religiöse Bekenntnis. Wichtig war, dass die Muslime lernten, sich als eine Glaubensgemeinschaft – als Umma - zu begreifen. Der Wunsch und das Streben nach Gemeinschaft sowie der Auftrag dazu, eine auf Glauben und Werten basierende Gemeinschaft zu bilden, werden den Menschen von Gott in die Wiege gelegt. Im Koran gibt es dazu viele Zeugnisse. Es obliegt jedem einzelnen Gläubigen, diese Zeugnisse zu lesen und zu verstehen. Gott hat dem Menschen dafür das nötige Rüstzeug gegeben. Jedes Lebewesen und Geschöpf handelt und wirkt nach einem von Gott entworfenen Plan. Doch der Mensch – als Gottes Statthalter auf Erden – ist vor allen anderen Geschöpfen privilegiert worden. Im Koran heißt es: „Wir haben doch wahrlich die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer getragen und sie versorgt mit guten Dingen und sie ausgezeichnet, eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir geschaffen.“ (Koran 17,70). Gott hat dem Menschen von seinem Geist eingehaucht. Er hat ihm damit nicht nur das Leben geschenkt, sondern auch die Fähigkeit gegeben, zu denken, zu lernen, zu lehren und er gab ihm einen freien Willen. Der Mensch hat damit viel mehr Möglichkeiten, aber auch viel mehr Verantwortung als alle anderen Geschöpfe. In Sure 2, Vers 31 sind die Engel skeptisch, als Gott ihnen eröffnet, dass er den Menschen als seinen Statthalter auf Erden einsetzen will. Gott entgegnet den Engeln: „Ich weiß, was ihr nicht wisst.“ Die Fähigkeit zu denken und zu entscheiden muss geschult werden. Das Streben nach Wissen, so hat der Prophet Muhammed betont, ist eine unentbehrliche Pflicht für jeden Muslim - und zwar von der Wiege bis zum Grab. Wissen ist die Nahrung des Verstandes. Doch nicht nur intellektuelles Wissen zählt, sondern auch die spirituelle Wahrnehmung Gottes und seiner Schöpfung. Für nicht-religiöse Menschen mag das ein Widerspruch sein. Für sie mag sich Spiritualität außerhalb wissenschaftlich nachweisbarer Paradigmen bewegen. Aber für gläubige Menschen ist die geistige Herzensbildung kein Widerspruch zur Intellektualität, sondern eine notwendige Bereicherung. | Unser Prophet Muhammed, Friede sei mit ihm, ermahnt alle Muslime, die geistige Rohheit zu überwinden und nach seelischer Vollkommenheit zu streben. So sehr jeder Mensch auch für sich selbst verantwortlich ist, so wenig kann er diesen Pfad ganz alleine beschreiten. Er, respektive sie, braucht Anleitung und Hilfe. Ein Kind kommt in dem Sinne als “gebildeter Mensch“ zur Welt, dass es friedlich, liebreizend, niedlich und ungefährlich ist. Es verkörpert die höchste Stufe der Reinheit und Friedfertigkeit. Doch diese Stufe kann es nicht bewahren, weil es wächst und, gedeiht weil es seinen eigenen Willen entwickelt. Sobald es anfängt zu begreifen, was um es herum geschieht, wird es Schritt für Schritt, Tag für Tag umgebildet. Eltern, Geschwister, Bekannte und Verwandte, später dann Schule, Beruf oder Uni – sie alle üben Einfluss auf das Kind aus. Wir leben in einer Welt intensiver Kommunikation. Kulturen, Zivilisationen, Religionen und Gesellschaften beeinflussen sich gegenseitig. Bis ins Mark können uns Massenmedien und Erziehungskonzepte beeinflussen. Wer ist gefeit gegen Manipulation und Indoktrination, gegen Polarisierung und Instrumentalisierung? Extremisten und Terroristen, die Tod und Verderben über unschuldige Menschen bringen, sind es offenbar nicht. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes fehlgeleitet. Doch genau darauf müssen Bildung und Erziehung abzielen: auf Rechtleitung. Damit Menschen auch Menschen bleiben und nicht zu gemeingefährlichen Geschöpfen werden, die nicht mehr um ihr menschliches Wesen wissen. Bildung und Erziehung dürfen nicht nur dem Ziel des intellektuellen und materiellen Wohlergehens dienen. Sie müssen auch das Herz reicher machen und das Bewusstsein erweitern. Ein muslimisches Kind sollte sich für das Christentum interessieren, ein christliches Kind für den Islam. Christen und Muslime leben heute oft in enger Nachbarschaft. Oftmals jedoch aber kennen sie sich nicht beim Namen; selten plaudern sie miteinander und noch seltener schließen sie Freundschaften. Sie wissen wenig voneinander und anstatt sich mit der jeweils anderen Kultur zu befassen pflegen sie ihre Vorurteile. Das muss und sollte nicht so sein. Warum lesen wir Muslime nicht Bücher von Nietzsche, Kant, Goethe und Schiller? Wir können viel von ihnen lernen. Warum interessieren sich Nichtmuslime nicht mehr für Averroes (Ibn Ruschd), Avicenna (Ibn Sina), Hafiz oder Dschellaludin Rumi? Goethe, Lessing und Heine haben es mit Gewinn getan. |
| Der Prophet Muhammed sagt uns, welche Werte wir Muslime unseren Kindern und Jugendlichen vermitteln sollen: - Sei gut zu deinem Nachbarn, und du wirst gläubig sein. - Wünsche für die Menschen, was du für dich wünschst, und du wirst Muslim sein. - Der beste Mensch ist der, der den Menschen am nützlichsten ist. Will heißen: Neben der intellektuellen Ausbildung junger Menschen ist die Bildung des Herzens enorm wichtig. Beziehungen zwischen Menschen werden enger und dauerhafter, wenn sich nicht nur der Geist gefordert und der Bauch angesprochen fühlt, sondern wenn sich auch die Herzen füreinander öffnen |
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Stand: 19.02.2012
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