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Den Koran wörtlich nehmen

Fundamentalisten und eher konservative Gläubige neigen dazu, den Koran wörtlich zu nehmen. Andere plädieren dafür, den Koran (auch) in einem übertragenen Sinn zu verstehen.

Von Prof. Behnam Sadeghi, ph.d., Stanford University, Kalifornien, USA



die Erklärungen kann man mit PDF lesen, auf das grüne Bild drücken.
 

„O Menschen! Siehe, WIR haben euch alle aus einem Männlichen und einem Weiblichen erschaffen, und haben euch zu Nationen und Stämmen gemacht, auf, dass ihr einander kennenlernen möget. Wahrlich, der Edelste von euch in der Sicht Gottes ist der, der sich Seiner am tiefsten bewusst ist. Siehe Gott ist allwissend, allgewahr.“

"Die Gläubigen, Männer und Frauen, sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und verrichten das Gebet und zahlen die Armensteuer und gehorchen Gott und Seinem Gesandten“.

Der Artikel: "Das soziale Miteinander" als PDF, bitte hier oder auf die grüne Fläche drücken.

 

 

Eine schiitische Sicht auf den Koran

Die Verfälschung der Heiligen Schrift

Es gibt zwei große Konfessionen im Islam: Sunniten und Schiiten. Prägend sind die Sunniten, da sie rund 80 Prozent aller Muslime ausmachen. Manche Schiiten glauben, die Sunniten hätten den Koran verfälscht und den Text so durcheinandergeworfen wie er sich heute darstellt.

Von Prof. Dr. Mohammad-Ali Amir Moezzi, Sorbonne, Paris



Deutschlandfunk

 

 

 

Dass der Koran an vielen Stellen kein Buch ist, das sich durch einfache Lektüre erschließt, ist bekannt. Es gibt aber einige viel diskutierte Passagen, deren genaue Aussage nicht nur umstritten, sondern unklar ist. Oder anders gesagt: Man kann nicht genau bestimmen, auf welches Ereignis sich ein bestimmter Vers tatsächlich bezieht.

So etwa im eingangs zitierten ersten Vers der Sure 54. "Die Stunde" bezeichnet höchstwahrscheinlich die Stunde des Jüngsten Gerichts. Demnach beschreibt die Mondspaltung ein Ereignis, welches den nahenden Gerichtstag ankündigt. Es handelt sich somit um ein Anzeichen für den Beginn der Endzeit, wie es an vielen Stellen des Korans ähnlich geschildert wird.

 

Tatsächlich aber gehen die muslimischen Koranausleger mehrheitlich davon aus, dass es sich bei der erwähnten Mondspaltung um ein Wunder handelt, das sich zur Zeit des Propheten zugetragen haben soll. Als die Ungläubigen ihm nämlich nicht glaubten, der wahre Gottgesandte zu sein, ließ Gott ein Wunder sichtbar werden: Über den Bergen von Mekka teilte sich der Mond in zwei Hälften, die in den Osten und den Westen wanderten, um sich anschließend wieder zu vereinen.

Das wird in zahlreichen Überlieferungen von Leuten berichtet, die dieses Schauspiel gesehen haben wollen. Zugleich gilt die Mondspaltung – neben der Offenbarung des Korans selbst – als das wichtigste Wunder, welches für Muslime die Wahrhaftigkeit Mohammeds bezeugt.

Einige muslimische Koranausleger aber behaupteten stets, die in Vers 54:1 geschilderte Mondspaltung meine nicht ein historisches, also ein vergangenes Ereignis, sondern ein erst vor dem Anbruch des Jüngsten Tages stattfindendes Geschehen.

Der Kontext des Verses hilft im Übrigen nicht weiter, um die Frage zu klären, ob hier ein vergangenes oder künftiges Ereignis angesprochen ist. Wichtig ist das deshalb, weil hiervon abhängt, ob eines der wichtigsten Wunder, das die Prophetenschaft Mohammeds beglaubigen soll, im Koran erwähnt wird oder nicht.

Eine vergleichbare Problematik ergibt sich in Sure 59 Vers 2. Dort wird von einer Vertreibung von "Leuten der Schrift" gesprochen - so werden im Koran vor allem Juden oder Christen genannt. Die muslimische Überlieferung setzt diese Stelle mit der Vertreibung eines jüdischen Stammes aus Medina in Beziehung, die sich zu Mohammeds Lebzeiten zugetragen haben soll.

In der Mitte des Verses heißt es jedoch, diese Vertreibung habe "zu Beginn der Zusammenscharung" stattgefunden. Das arabische Wort für "Zusammenscharung" lautet al-hashr. Es ist dasjenige, welches im Koran sonst stets die Versammlung der Menschen am Jüngsten Tag bezeichnet.

Also auch hier kein Bezug auf ein historisches Ereignis, sondern auf ein künftiges, endzeitliches Geschehen? Der Kontext gibt erneut keine eindeutigen Hinweise.

Die große Mehrzahl der muslimischen Koranausleger bezieht diesen Vers dennoch auf das historische Ereignis – nämlich die Vertreibung eines jüdischen Stammes aus Medina. Sie erklären den Begriff "zu Beginn der Zusammenscharung" entweder damit, dass hier die Juden zum ersten Mal "zusammengeschart" wurden oder damit, dass sich die Truppen Mohammeds damals zum ersten Mal "zusammengeschart" hätten.

Doch in diesem Fall behaupten ebenfalls einige Exegeten, das angesprochene Ereignis beziehe sich sehr wohl auf die Endzeit und habe noch gar nicht stattgefunden. Es bleibt also offen, ob die Vertreibung von Juden zu Mohammeds Lebzeiten im Koran erwähnt ist oder nicht.

Wir können das aus heutiger Sicht nicht mehr klären. Der Koran bleibt in diesen Passagen ein besonders schwierig zu entschlüsselnder Text. Wenn es sich aber in beiden Fällen um endzeitliche Ereignisse handeln sollte, was nicht unwahrscheinlich ist, dann enthielte der Koran weit weniger historische Informationen als allgemein angenommen wird.

 

Sure 3 Vers 36
Die Stellung der Frau am Beispiel Marias

 

Die dritte Sure mit Namen "Die Sippe des 'Imran", aus der dieser Vers stammt, gibt Ereignisse aus der Abstammungslinie von Maria wieder - mithin auch von ihrem Sohn Jesus. In dem zitierten Vers weiht eine nicht näher benannte Frau das Kind, das sie in ihrem Mutterleib trägt, dem Dienste Gottes. Als ein Mädchen geboren wird, gibt sie ihm einen Namen und bittet Gott um Schutz für das Kind und seine Nachkommen.

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Der Koran-Kommentar Tafsîr al-Dschalâlain aus dem 15. Jahrhundert besteht auf der Auslegung, dass Marias Mutter lieber einen Jungen gehabt hätte, weil ein Junge für den Dienst an Gott geeignet sei. Ein Mädchen indes sei ungeeignet, heißt es weiter, aufgrund seiner Schwachheit, seiner zu bedeckenden Scham - arabisch: 'awra - und aufgrund von Begleiterscheinungen der Menstruation.

Andere Koran-Kommentatoren, darunter der berühmte al-Tabari, bilden Meinungen ab, die die männliche Stärke als Hauptunterschied zur Frau betonen, oder die auf die weibliche Unreinheit abheben - vor allem während der Menstruation.

Diese Hervorhebung weiblicher Defizite, ausgehend von einer männlichen Norm, ist merkwürdig. Der Vers selbst gibt keinerlei Hinweise auf Mängel oder Fehler einer Frau. Stattdessen erhebt er eher das Weibliche zur Norm, an der das Männliche verglichen wird - verglichen und vermutlich für mangelhaft befunden, denn wenn ein Mann für die vorgesehene Aufgaben des Dienstes an Gott besser geeignet gewesen wäre, wäre Gott sicherlich in der Lage gewesen, die Geburt eines Jungen sicherzustellen - schließlich formt Gott die Menschen im Mutterleib.

Andere Koran-Kommentatoren, darunter der berühmte al-Tabari, bilden Meinungen ab, die die männliche Stärke als Hauptunterschied zur Frau betonen, oder die auf die weibliche Unreinheit abheben - vor allem während der Menstruation..

Grammatikalisch wird in vielen Koran-Passagen die männliche Form benutzt, wenn es neutral um alle Menschen geht. Frauen sind dann entweder indirekt mit eingeschlossen (4:1) oder werden als zweite Geschlechtskategorie direkt erwähnt (33:35).

Im hier vorliegenden Vers liegt der Fokus jedoch allein auf einer Frau, wenn auch auf einer besonderen.

Man könnte daraus schließen, dass gerade der Menstruationszyklus, den die klassischen Koran-Kommentatoren als Mangel abtun, entscheidend für Marias Rolle ist: Schließlich folgen in ihrem Leben die Empfängnis, die Schwangerschaft und die Entbindung Jesu. Und das sind nun einmal Aufgaben, die gemäß Gottes üblicher Bestimmung eine Frau erfordern.

Maria ist die einzige Frau, die im Koran explizit mit Namen genannt wird. Auf die anderen Frauen wird lediglich Bezug genommen als Ehefrauen oder Verwandte von Männern - zum Beispiel die Frauen des Propheten oder die Mutter und die Schwester von Mose. Wieder andere werden bei ihrem Titel genannt wie die Königin von Saba. Marias Name indes ist so signifikant, dass Jesus im Koran mit einem Matronymikon bezeichnet wird - also: Jesus, Sohn der Maria.

Zudem wird Maria - obwohl sie eine Frau ist - explizit aufgefordert, sich zum Gebet niederzuwerfen - und zwar im gleichen Atemzug mit der üblichen Aufforderung an die Gruppe der Männer (3:43).

Selbst wenn also die Weiblichkeit in manchen Belangen entscheidend für die Rolle einer Frau ist, und selbst wenn "ein Knabe nicht wie ein Mädchen" ist, so ist die Frau dem Mann in anderen Belangen sehr wohl gleichgestellt - in jedem Fall ist es diese besondere Frau namens Maria.

4:1 O Menschheit! Seid euch eures Erhalters bewusst, der euch aus einer einzigen lebenden Wesenheit erschaffen hat und aus ihr Partnerwesen erschuf und aus den beiden eine Vielzahl von Männern und Frauen verbreitete. Und bleibt euch Gottes bewusst, in dessen Namen ihr voneinander verlangt, und dieser Verwandschaftsbande. Wahrlich Gott ist immer wachsam über euch!

33:35 Wahrlich, für alle Männer und Frauen, die sich Gott ergeben haben, und alle gläubigen Männer und gläubigen Frauen und alle wahrhaft demütig ergebenen Männer und wahrhaft demütig ergebenen Frauen und alle Männer und Frauen, die ihrem Wort treu sind, und alle Männer und Frauen, die geduldig in Widrigkeit sind, und alle Männer und Frauen, die sich (vor Gott) demütige, und alle Männer  und Frauen, die aus Mildtätigkeit geben, und alle selbstverleugnenden Männer und selbstverleugnenden Frauen und alle Männer und Frauen, die auf ihre Keuschheit achten, und alle Männer und Frauen, die unaufhörlich Gottes gedenken: für (alle von) ihnen hat Gott Vergebung der Sünden und eine mächtige Belohnung bereitet.

 

3:43 O Maria! Bleibe du deinem Erhalter wahrhaft demütig ergeben und werfe dich nieder in Anbetung und verbeuge dich mit jenen, die sich (vor IHM) verbeugen.

 

Sure 2 Vers 62
Hat nur der Koran recht?

 

Eine versöhnliche Botschaft scheint in diesem Vers durch: Nicht nur Muslime können sich Hoffnung auf das Paradies machen; auch Juden, Christen und Sabiern steht es in Aussicht, wenn sie nur gläubig sind und gut handeln.

Wer diese Sabier eigentlich sind, darüber haben sich muslimische Exegeten schon früh den Kopf zerbrochen; vermutlich handelte es sich um eine Gemeinschaft von christlichen Täufern in Mesopotamien.

Noch wichtiger war den Exegeten jedoch in der Regel die Frage, wie dieser Vers mit ihrer festen Überzeugung zu vereinbaren ist, dass alle Nichtmuslime in die Hölle kommen. Dafür entwickelten sie zwei Erklärungsmodelle.

Das erste ging davon aus, dass der Vers lediglich über Konvertiten spricht, also über ehemalige Juden, Christen und Sabier, die den Islam angenommen haben. Schließlich betont der Vers ja, dass die Verheißung göttlichen Lohns nur für Menschen gelte, die an Gott glauben; und nach Ansicht der vormodernen Theologen glauben nur Muslime auf die richtige Weise an Gott.

Die zweite Erklärung bezieht den Vers auf diejenigen Juden, Christen und Sabier, die vor der Verkündung des Korans lebten oder noch keine Gelegenheit hatten, seine Botschaft kennenzulernen. Allenfalls, so schrieb der berühmte Theologie al-Ghazāli, der im Jahr 1111 starb, seien diejenigen Nichtmuslime entschuldigt, die über den Islam lediglich verzerrte und verleumderische Informationen erhalten hätten; nicht aber die, die unter Muslimen lebten und reichlich Gelegenheit hätten, deren Religion anzunehmen.

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Anders sahen es Vertreter der islamischen Mystik. So schrieb al-Quschairī, ein Sufi des 11. Jahrhunderts, Unterschiede im Religionsgesetz und in der offiziellen Religionszugehörigkeit seien belanglos, solange man nur an das Wesentliche glaube, nämlich an Gott und seine Eigenschaften.

Solche Auslegungen fanden jedoch kaum Verbreitung. Das änderte sich erst um die Wende zum 20. Jahrhundert herum, als Reformdenker sich um eine Neubestimmung des Verhältnisses zu Nichtmuslimen bemühten.

Sie beschränkten das Entgegenkommen jedoch auf Juden und Christen, und auch nur auf solche, deren Glauben ihrer Ansicht nach nicht gegen die Einheit und Einzigkeit Gottes verstieß. So meinten sie, dass Christen, die an die Dreieinigkeit glaubten, nicht ins Paradies gelangen könnten.

Ab den 1970er Jahren kam es erneut zu einer Debatte um die Heilserwartung von Nichtmuslimen, die bis heute geführt wird. Gerade in Südostasien weiteten muslimische Intellektuelle das Paradiesversprechen auf Anhänger aller Religionen aus.

So weit mochte der türkische Universitätstheologe Süleyman Ateş nicht gehen; dennoch löste er Ende der 1980er Jahre mit seinen Thesen zur Offenheit des Paradieses für Nichtmuslime eine große Kontroverse in der Türkei aus. Seine Gegner beriefen sich auf Überlieferungen über den Propheten Mohammed; Ateş hingegen berief sich auf die göttliche Barmherzigkeit, die im Koran wieder und wieder betont wird. In Deutschland erntete der Münsteraner Universitätstheologe Mouhanad Khorchide jüngst mit ähnlichen Ideen heftigen Widerspruch, aber auch begeisterte Zustimmung.

In Zeiten, in denen der dschihadistische Salafismus mit seiner Ideologie der Abgrenzung täglich Schlagzeilen macht, erscheint es einer wachsenden Zahl von Muslimen wichtig, nicht nur über das Verhältnis zu Nichtmuslimen im Diesseits zu reden, sondern auch den Exklusivanspruch aufs Paradies in Frage zu stellen. Und dabei leistet der hier besprochene Vers, der im Koran gleich zweimal vorkommt, hervorragende Dienste.

Die Sendereihe des Deutschlandfunk - Koran erklärt -

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Stand: 26.02.2017 Zurück zur Startseite