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لا إله إلا الله

سُوۡرَةُ البَقَرَة

ٱللَّهُ لَآ إِلَـٰهَ إِلَّا هُوَ ٱلۡحَىُّ ٱلۡقَيُّومُ‌ۚ لَا تَأۡخُذُهُ ۥ سِنَةٌ۬ وَلَا نَوۡمٌ۬‌ۚ لَّهُ ۥ مَا فِى ٱلسَّمَـٰوَٲتِ وَمَا فِى ٱلۡأَرۡضِ‌ۗ مَن ذَا ٱلَّذِى يَشۡفَعُ عِندَهُ ۥۤ إِلَّا بِإِذۡنِهِۦ‌ۚ يَعۡلَمُ مَا بَيۡنَ أَيۡدِيهِمۡ وَمَا خَلۡفَهُمۡ‌ۖ وَلَا يُحِيطُونَ بِشَىۡءٍ۬ مِّنۡ عِلۡمِهِۦۤ إِلَّا بِمَا شَآءَ‌ۚ وَسِعَ كُرۡسِيُّهُ ٱلسَّمَـٰوَٲتِ وَٱلۡأَرۡضَ‌ۖ وَلَا يَـُٔودُهُ ۥ حِفۡظُهُمَا‌ۚ وَهُوَ ٱلۡعَلِىُّ ٱلۡعَظِيمُ (٢٥٥)

Al-Baqara

Allah - kein Gott ist da außer Ihm, dem Ewiglebenden, dem Einzigerhaltenden. Ihn ergreift weder Schlummer noch Schlaf. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte außer mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt; sie aber begreifen nichts von Seinem Wissen, es sei denn das, was Er will. Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde, und es fällt Ihm nicht schwer, sie (beide) zu bewahren. Und Er ist der Hohe, der Allmächtige. (255)

  

 

Stuttgart

Islamisches Worto:p>


März 2009

  

 

 

 

 

Emina Corbo-Mesic  Stuttgart,          November 2008

Gott ist mit den Geduldigen

سُوۡرَةُ البَقَرَة
لَا يُكَلِّفُ ٱللَّهُ نَفۡسًا إِلَّا وُسۡعَهَا‌ۚ لَهَا مَا كَسَبَتۡ وَعَلَيۡہَا مَا ٱكۡتَسَبَتۡ‌ۗ رَبَّنَا لَا تُؤَاخِذۡنَآ إِن نَّسِينَآ أَوۡ أَخۡطَأۡنَا‌ۚ رَبَّنَا وَلَا تَحۡمِلۡ عَلَيۡنَآ إِصۡرً۬ا كَمَا حَمَلۡتَهُ ۥ عَلَى ٱلَّذِينَ مِن قَبۡلِنَا‌ۚ رَبَّنَا وَلَا تُحَمِّلۡنَا مَا لَا طَاقَةَ لَنَا بِهِۦ‌ۖ وَٱعۡفُ عَنَّا وَٱغۡفِرۡ لَنَا وَٱرۡحَمۡنَآ‌ۚ أَنتَ مَوۡلَٮٰنَا فَٱنصُرۡنَا عَلَى ٱلۡقَوۡمِ ٱلۡڪَـٰفِرِينَ (٢٨٦)

„Gott bürdet keiner Seele mehr auf als sie zu tragen vermag.“

(Sure 2,286).

 

Mit diesem Vers endet das zweite und längste Kapitel des Korans, die Sure mit dem Namen die Kuh.

Um die Botschaft der koranischen Verse verstehen zu können, ist es unabdingbar, sie bezogen auf ihren Kontext zu lesen.

Dieser Vers wurde anlässlich der Himmelsreise des Propheten (s.a.w.s.) offenbart. Das war ungefähr ein Jahr vor der Auswanderung der Muslime nach Medina.

Zu dieser Zeit waren Mohammed und seine Anhänger in ihrer Heimatstadt Mekka massiven Anfeindungen ausgesetzt. Es gab kaum einen Flecken, wo Muslime sich wirklich sicher fühlen konnten.

 

Dieser Vers wurde zu einem wichtigen, häufig wiederholten Gebet. Es sollte den Bedrängten Kraft geben; es sollte sie ermutigen, den Schwierigkeiten zu trotzen, stets auf Gott zu vertrauen und ihn um Hilfe zu bitten. Der Vers ist von fundamentaler Bedeutung für den Umgang von Muslimen mit schweren Prüfungen. In Zeiten der Verzweiflung, wenn wir  einen geliebten Menschen verloren haben; wenn Krankheit uns schwächt; wenn Verlust uns plagt; wenn Kummer unser Herz schwer macht - dann wird der Glaube an Gott auf die Probe gestellt. Wir schwanken dann oft zwischen Selbstvorwürfen und der  Frage, will Gott uns durch die Schicksalsschläge bestrafen? Wir können uns dem nagenden Zweifel hingeben. Aber ich bin überzeugt, er wird uns weniger Trost bieten  als unser Glaube.

den ganzen Artikel nachzulesen unter: Gott ist mit den Geduldigen.pdf

 

  

 

Wer sich Flügel anklebt, wird nicht zum Friedensengel


Aiman Mazyek, Aachen
"Islamisches Wort" August 2008

Es ist an uns Muslimen, sich noch mehr anzustrengen als bisher - oder wie es Barack Obama sagen würde:
„Jetzt wird noch mehr als früher von uns erwartet"?

Woher kommt dieses gewaltige Interesse der Weltbevölkerung? Woher dieser Hype für diesen Mann? Es entspringt einer tiefen Friedenssehnsucht vieler Menschen - gleich ob sie religiös sind oder nicht. Für Menschen rund um den Globus wird Obama zur Projektionsfläche für eine bisher unerfüllte Friedenssehnsucht. Deshalb sind so viele Menschen zur Siegessäule gekommen, des- halb lieben sie ihn. Die Menschen hier ebenso wie in den USA will kein Abu Graib mehr, kein Guantanamo, kein Blutvergießen im Nahen Osten, kein Krieg im Irak. Sie wollen Frieden. Sie sind gekommen, um den Hoffnungsträger zu sehen, und sie wollten ihm ihre Hoffnungen und Erwartungen signalisieren. Und so rief er den Menschen in Berlin zu, in jener Stadt, die einst schlimme Erfahrungen mit Mauern und Barrieren gemacht hat:„Die Mauern zwischen reichen und armen Ländern müssen fallen. Die Mauern zwischen Rassen und Stämmen; zwischen Inländern und Einwanderern; zwischen Christen und Muslimen und Juden dürfen nicht stehen bleiben. Das sind jetzt die Mauern, die wir niederreißen müssen".

den ganzen Artikel nachzulesen unter: Wer sich Flügel anklebt.pdf

 

Wir glauben alle an den einen Gott

Heute zu Gast im Forum am Freitag ist Bekir Alboga,

Dialogbeauftragter der DITIB, Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion.

 

Mit Bekir Alboga spricht Kamran Safiarian, anläßlich des Katholikentages in Osnabrück über den christlich-muslimischen Dialog.

 23.05.2008




















Kamran Safiarian: Herr Alboga, schon Goethe hat in seinem westlich-östlichen Diwan gesagt: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, trifft das auch auf den christlich-muslimischen Dialog zu?

 

Bekir Alboga: Zum Teil ja, denn wir haben noch einen langen Weg vor uns. Die meisten Christen und Muslimen  meinen es gut, aber wir haben noch nicht so gut gezeigt, dass wir es auch gut gemacht haben.

 

Kamran Safiarian: Seit der Regensburger Papstrede wissen wir, das der Dialog spannungsgeladen ist. Sie kommen gerade von einem Gespräch mit Kardinal Meisner, wie läuft so ein Dialog ab, worüber redet man, und wo liegen die Probleme konkret?

 

Bekir Alboga: Wir haben in einem schönen Gespräch über alle Probleme gesprochen und zum Schluss kamen wir zu der Feststellung, dass wir gemeinsam handeln sollten, zum Beispiel über Bioethik, oder über die ethischen Grundlagen, die gemeinsam sind, im Islam und im Christentum.

Wir werden eine Arbeitsgruppe bilden, in der wir gemeinsame Positionen beschreiben, und damit die Öffentlichkeit informieren können.

 

Kamran Safiarian: Stichwort: Gemeinsamkeiten.

Islam und Christentum haben viele Gemeinsamkeiten, nicht zuletzt, weil es beide monotheistische Buchreligionen sind. Sie erzählen beide die Geschichte Abrahams. Wo liegen für sie die meisten Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede der beiden Religionen?

 

Bekir Alboga: Die größte Gemeinsamkeit ist natürlich der Gott. Der Glaube an den einen und einzigen Schöpfergott, ob sie den Islam oder das Christentum fragen: „Glauben wir an den einen Gott?“, ist die Antwort: „Ja.“

Die Frage, wenn wir sie anders stellen, „Glauben wir an denselben Gott?“, die Muslime sagen: „Ja“ die Kirche sagt „ Jaein“.

Da liegt an der Trinitätslehre. Das trinitarische Verständnis von Monotheismus ist in der Kirche üblich.

 

Kamran Safiarian: Trinität also: Vater, Sohn, Heiliger Geist

 

Bekir Alboga: Genau, von Gott als Vater, als Sohn und als Heiligen Geist zum Ausdruck zu bringen ist für den Islam ein Unterschied, aber wenn wir sagen, wie viele Schöpfer gibt es, der das Universum und den Menschen erschaffen hat, dann ist die Antwort: „Es gibt nur einen Schöpfer, es gibt nur einen Gott“. Es gibt nur einen Menschen, der von diesem  Schöpfer erschaffen ist, der im Islam Statthalter und Stellvertreter Gottes auf der Erde ist, nach der biblischen Lehre Ebenbild Gottes auf der Erde ist.

 

Kamran Safiarian: Gemeinsam ist auch allen Religionen, dass sie sich als einzig wahre und universale gültige Religion begreifen. Nicht zu letzt, glaubt der Islam als letzte monotheistische Buchreligion die Wahrheit zu vertreten. Wie kommt man da miteinander zurecht?

 

Bekir Alboga: Im Islam wird im Kapitel 5, ab Vers 44 bis 48 gesagt, dass es in der Thora, Licht und Wahrheit gibt, dass es im Evangelium, Licht und Wahrheit gibt, und dass im Koran Licht und Wahrheit ist.

Das heißt, der Koran bescheinigt uns, dass es in der Thora, im Evangelium, und im Koran „Licht und Wahrheit“ ist, und da sagt Gott gegen Ende des Vers 48, „Ihr werdet Euch im Hinblick auf einigen Punkten in diesem Leben nicht einigen können. Also lass sie so bestehen, wetteifert nach guten Dingen“.

 

Das heißt, im Koran werden wir motiviert, den Dialog des gemeinsamen Handelns zu stärken. Das heißt: Wenn es auf der Erde, Missbrauch von Kindern gibt, Armut herrscht, Ungerechtigkeiten gibt, oder es Länder gibt, in denen es den Dialog noch nicht gibt, ,

 

diese allgemeinen Probleme, die die Menschheit bedrohen, sollten wir Christen, Juden und Muslime in einem Dialog, also in einem Trialog so wie es im Koran vorgeschrieben wird, ansprechen und gemeinsam handeln nach guten Dingen. Und Gott verspricht uns im Koran am jüngsten Tag zu informieren über die Dinge, über die wir uns in diesem vergänglichen Leben keine Klarheit verschaffen können und uns nicht einigen können. Also die Unterscheide sind kein Grund dafür, dass wir auseinander gehen, ganz im Gegenteil,

 

Kamran Safiarian: Aber konkret, wie kommt man dann zusammen bei den Problemen, wie Religionsfreiheit, Gleichberechtigung oder Trennung von Staat und Kirche? Da gibt es doch einige fundamentale mentale Unterscheide. Beispiel: Konversion, ein Christ kann leicht zum Islam konvertieren, ein Muslim kann schlecht von seiner Religion sich lossagen und konvertieren. Wie lösen sie solche Probleme?

 

Bekir Alboga: Bei Konversion gibt es überall Probleme, auch die katholische oder evangelische Kirche begrüßt nicht die Konversation. Es gibt auch gesellschaftliche Sanktionen. Zum Beispiel wenn sie bei einer christlichen Partei Mitglied sind und den Islam annehmen, sind sie nicht herzlich willkommen. Sie werden als solcher auf entscheidende Ebene keine Arbeitsstelle bekommen. Das sind dann die sozialen Sanktionen. Es ist gegen den Islam, wenn in den islamisch geprägten Gesellschaften jemand den Islam verlässt und das Christentum annimmt, dass man ihn verfolgt, weil man seine Religion gewechselt hat. Im Koran steht im Kapitel 2, Vers 256, „Es darf keinen Zwang in Glaubensangelegenheiten geben“.

Ob man den Islam annimmt, oder nicht annehmen möchte, ist vollkommen, den freien Willen des Individuums überlassen. Wer dieses Gebot des Korans missachtet, handelt gegen den geistigen Wesensgehalt dieser Religion, des Islams.

 

Kamran Safiarian: Aber es gibt bei Theorie und Praxis immer Unterschiede. Es gibt Menschen, die verfolgt werden, wenn sie den Islam verlassen.

 

Bekir Alboga: Sehen sie, es gibt nicht das Christentum, es gibt nicht den Islam. Es gibt muslimisch geprägte Gesellschaften, in denen Menschen auch ihre Religion wechseln können, es gibt aber auch durchaus fundamentalistisch geprägte christliche Gesellschaften, in denen man das nicht so gerne sieht, dass man das Christentum verlässt.

 

Kamran Safiarian: Letzte Frage: Was ist das Ziel eines christlich-muslimischen Dialogs? Worauf arbeitet man hin, wie sollten Christen und Muslime miteinander umgehen?

 

Bekir Alboga: Die These, dass die Kulturen zusammenprallen müssen, kann nur durch interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit überwunden werden, und als nichtig erklärt werden. Wenn wir, mehr als 2 Milliarden Christen und 1,5 Milliarden Muslime und noch dazu Millionen von Juden, uns zusammenstellen um eine Friedensarbeit, die durch den Dialog angeregt und gestärkt werden kann, dann können wir für die Menschheit sehr viel leisten, an Anregung, aber auch für den Erhalt des menschlichen Lebens, für den Erhalt des Universums, für die Bekämpfung der Armut, für die Bekämpfung von Tötung von Kindern, Missbrauch von Kindern und so weiter und so fort.

Der islamisch-christlich-jüdische Dialog ist also unentbehrlich für eine friedliche Welt, in der wir alle in Respekt, und gegenseitiger Hochachtung zusammen leben können.

 

Kamran Safiarian: Herr Alboga, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

Nachzuhören im http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/501464?inPopup=true

 

  

 

GOTTES - FURCHT


Hilal Sezgin
Mai 2008
Menschen, die selbst nicht religiös sind, äußern oft einen bestimmten Einwand gegen Religion - nicht nur gegen den Islam, sondern gegen jede Form von Glauben. Religion, so lautet ihr Vorwurf, operiere mit „schlechtem Gewissen“. Sie wolle uns dazu bringen, auch noch als Erwachsene Angst vor der Strafe eines „Übervaters“ zu haben. Ich finde nicht, dass man das so pauschal sagen kann – aber dass hier eine gewisse Gefahr liegt, darin gebe ich den Skeptikern Recht.

Aber wer kennt es nicht, das schlechte Gewissen, beim Gebet nicht nur an Gott, sondern auch an Alltagssorgen gedacht zu haben? Manchmal lässt es sich anscheinend nicht vermeiden. Oder wir haben den Koran aus Versehen auf den Fußboden gelegt, waren beim Gebet nicht rituell rein oder haben vor dem Essen nicht die Basmallah gesprochen – wenn man hier bereits den Kopf einzieht, als müsste unweigerlich eine Strafe folgen, dann mischt sich Aberglauben in die Gottesfurcht.

Überhaupt, das Wort Gottesfurcht bringt die Frage bereits auf den Punkt: Wie verträgt sich die Gottesfurcht mit der Gottesliebe, und wie viel Angst gehört in unser Verhältnis zu Gott?

den ganzen Artikel nachzulesen unter: Gottes-Furcht.pdf

 

                     Der Muslime Heimat 


Aiman Mazyek

Bismillahirrahmanirrahim
Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzige
n

Die Menschen sind also deswegen verschieden, weil sie einander besser kennen lernen sollen. Menschen sollen nicht nach ihrer Volks- oder Rassenzugehörigkeit beurteilt werden, sondern nach ihrer Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit. Ein Wetteifern um diese Werte, würde uns sicherlich entspanntere Zeiten und weniger Ängste bescheren. Doch Muslime sind fehlbar wie alle Menschen. Sie handeln leider nicht immer so, wie es ihnen der Koran empfiehlt.

Ein weit verbreitetes islamisches Sprichwort sagt: „Lebe, als würdest du morgen sterben und als würdest du ewig leben“. Mit anderen Worten: Wir Muslime sollen hier unser tägliches Leben gestalten, wir sollen hier unsre Wohnhäuser für uns und unsre Nachkommen im Diesseits bauen.

Und wir sollen gleichzeitig unsere Gotteshäuser hier errichten, damit wir uns darin auf unsre Begegnung mit Gott im Jenseits vorbereiten können.

Der verstorbene Zentralratsvorsitzender Ignaz Bubis hat einmal zum Bau von Gotteshäusern gesagt: „Wer baut, will bleiben“. Recht hat er.

Den ganzen Vortrag im PDF-Format ist hier nachzulesen: Der Muslime Heimat

 

Erziehung zum Frieden   

 Stuttgart  März  2008

Islamisches Wort

Emina Corbo-Mesic

Bismillahirrahmanirrahim

Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen.

(السلام عليكم)

As-Salāmu `Alaykum

Frieden: Wohl kaum ein Wort klingt heute so abgedroschen, und kaum ein Mensch wünscht sich etwas sehnlicher als Frieden.

Den Islam als einen Weg zum Frieden zu bezeichnen, das klingt für viele Menschen widersprüchlich. Islam – so meinen viele - hat etwas mit Terrorismus, mit Gewalt und mit „heiligem Krieg“ zu tun. Und wurde der Islam nicht mit „Feuer und Schwert“ verbreitet ?

Es wird vor allem Nicuslime irritieren, dass im Islam Frieden das wesentliche Fundament menschlichen Daseins ist. Islam bedeutet linguistisch gesehen: Hingabe, Versöhnung, Frieden-Schließen, Ergebenheit. Muslime sind Gottergebene.

Die Beziehungen des Islams zum Salam - zum Frieden - werden in den folgenden Punkten deutlich:

-          As-Salam – Friede - ist einer der 99 Namen Gottes.

-          As-Salam ist der Gruß, den der Schöpfer Seinen

         Dienern am Jüngsten Tag entbieten wird.

-          As-Salam ist der Gruß im Paradies.

-          Salam ist das Einzige, was die Bewohner des

         Paradieses hören werden

Muslime begrüßen sich mit dem Friedensgruß:
as-Salamu’aleikum -
السلام عليكم Friede sei mit euch. Muslime, die fünf Mal am Tag ihre Gebete verrichtet, sprechen über 40 Mal das Wort Frieden aus und beenden jedes Ritualgebet mit dem Friedensgruß an alle Menschen.

Natürlich soll der gesprochene Friedensgruß nicht bloß eine da hergesagte fromme Formel sein. Denn der Islam soll als Lebensweise das Bemühen um den Frieden mit Gott, mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der Schöpfung umfassen.

Dabei erweist sich das Friedenmachen mit sich selbst als die schwierigste Aufgabe. Muslime sprechen deshalb vom großen Dschihad. Dschihad leitet sich von dem Verb dschahada ab und bedeutet: Anstrengung. Mit dem großen Dschihad ist der Kampf gegen die eigenen niederen Triebe und Instinkte gemeint: Gegen Wut, Zorn und  Missgunst; gegen Neid, Gier und Falschheit. Es ist ein Kampf gegen den sogenannten „inneren Schweinehund“, den jeder Mensch zu überwinden hat, der mit sich und seiner Umgebung in Frieden leben möchte.

Eine mögliche Erklärung für die deutliche Diskrepanz zwischen dem Anspruch des Islams und der Praxis der Muslime ist die Entfremdung der Muslime von ihren eigenen Quellen. Den jeweiligen religiösen Traditionen in den verschiedenen muslimischen Ländern wird heute oftmals mehr Beachtung geschenkt als eben diesen Quellen.

Auch erhalten heutzutage Bildung und Erziehung in vielen muslimischen Ländern oftmals nicht ihren angemessenen Stellenwert. Aus vielen Aussprüchen des Propheten Mohammed – den so genannten Hadithen – ist eigentlich deutlich zu erkennen, wo der Gesandte Gottes Prioritäten gesetzt hat: In der Wissensvermittlung und im Wissenserwerb.

In der Wissensvermittlung und im Wissenserwerb. Wichtig war ihm immer auch die Erziehung der Kinder und Jugendlichen in einer ihnen angemessenen Art und Weise.

Es geht nicht darum, dass Kinder Pflichten auswendig lernen. Erziehung sollte Kindern vielmehr als Anleitung dienen, selbstständig ein Gespür dafür zu entwickeln, Pflichten aus dem Bedürfnis heraus zu verrichten, dass sie zu einem friedlichen und gedeihlichen Zusammenleben beitragen. Es reicht nicht aus, Kindern den respektvollen Umgang mit Anderen zu predigen, wenn Kinder nicht gleichzeitig gelebte Nächstenliebe erfahren. Kinder sollten erkennen, dass Nächstenliebe von fundamentaler Bedeutung für eine gesunde Gesellschaft ist. Dadurch schützt sich der Mensch vor Egoismus, Habgier, und kriminellen Handlungen.

Wir Erwachsenen müssen den Kindern die Möglichkeit geben zu erkennen, dass der Islam kein lästiges Pflichtprogramm in einer „fremden Sprache“ darstellt, sondern dass der Koran das muslimische „Handbuch fürs Leben“ ist. Es ist schön, wenn er als ein heiliges Relikt auf einem Ehrenplatz ruht. Aber es ist schade, wenn er nicht gelesen und verstanden wird.

Erziehung zum Frieden auf der Grundlage unsrer islamischen Quellen. Das erfordert kreatives Umdenken ! Denn der bislang in den Moscheen ausgerichtete Frontalunterricht eignet sich nur sehr bedingt. Zu viel Wert wird bei dieser religiösen Unterweisung auf unreflektiertes Auswendiglernen gelegt.

Die Einführung von islamischem Religionsunterricht in Deutsch sowohl in Moscheen als auch an öffentlichen Schulen ist meiner Meinung nach ein hoffnungsvoller Lichtblick. Zudem ist es ein wichtiger Schritt, um die Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft besser voran zu bringen. Denn jemand, der seine religiösen Wurzeln kennt, kann sich in die auf Pluralität fußende deutsche Gesellschaft gut einbringen, ohne Angst vor dem Verlust seiner religiösen Prinzipien haben zu müssen.

Natürlich hängt vieles davon ab, inwieweit das jeweilige Elternhaus Kindern und Jugendlichen einen freien und ungezwungen Zugang zum Islam gestattet. Je mehr Eltern über den Islam wissen, je aufgeklärter und je besser integriert sie sind, umso leichter werden es ihre Kinder haben.

Die Jugendlichen werden erleben, dass es sehr gut möglich ist, als Muslim hier zu leben. Dazu müssen Muslime aber lernen, überkommene Traditionen einerseits und die echten Grundlagen der Religion andererseits sorgfältig voneinander zu unterscheiden.  Der Islam ist dazu da, uns das Leben zu erleichtern und nicht unnötig zu erschweren. Wer ist gläubig? Wer ist ungläubig? Wer kommt ins Paradies? Wer geht in die Hölle? Das sind Fragen, die Gott mit jedem einzelnen Menschen beizeiten klären wird. Jeder einzelne muss sich hier an seine eigene Nase fassen – nicht an die des Anderen! Denn das lenkt nur von unsren eigenen Pflichten ab, von denen das Friedenschaffen eine der wichtigsten ist.

 

 Stuttgart                                                                                                                                                                   Februar 2008

Islamisches Wort

Bekir Alboga, M.A.
DITIB, Köln

                                                                                     

                                             Aufruf zum Glauben

Bismillahirrahmanirrahim

Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen.

„Rufe zum Pfad deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und führe Streitgespräche mit ihnen auf die beste Art und Weise.“ (Sure 16:125)

Mit diesen Worten fordert Gott uns im Koran zum Gespräch über unseren Glauben auf. Er will, dass wir über ihn und seine Botschaft an die Menschen mit unseren Mitmenschen sprechen. Mehr noch: Er will, dass wir darüber disputieren, dass wir diskutieren, uns mit den Argumenten unserer Gesprächspartner auseinandersetzen.

Und er will, dass wir die Menschen Kraft unserer eigenen, auf seine Botschaft gestützten Argumente einladen. Ausdrücklich fordert Gott uns auf, höflich und respektvoll zu unseren Gesprächspartnern zu sein. Er warnt uns davor, aus Eifer und Begeisterung heraus, die Grenzen der Weisheit und Ermahnung zu überschreiten.

Im Koran gibt es keinen Missionsauftrag, der in seiner Art und Weise mit dem Missionsverständnis vieler christlicher Missionare vergleichbar wäre. Im Koran heißt es unmissverständlich:

„Gott ist es, der recht leitet“ (Sure 28,56).

Das bedeutet konkret: Das Hinführen zum Islam und die Rechtleitung auf dem Weg des Schöpfers sind ausschließlich Sache Gottes. Selbst seinen Gesandten, den Propheten Mohammed (s.a.w.s.), mahnte er:

„Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf der Erde sind, geglaubt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, Gläubige zu werden?“ ( Sure 10,99)

Der zweite und genauso wichtige Grundsatz ist die Botschaft, die wir in Vers 256 der zweiten Sure finden. Dort heißt es:

“Es gibt keinen Zwang in der Religion. Der rechte Weg ist klar erkennbar geworden. Wer nun also nicht an falsche Götter glaubt, aber an den einzigen Gott, der hat gewiss den sichersten Halt, bei dem es kein Zerreißen gibt. Und Gott hört und weiß alles.”

Will heißen: im Islam darf es keine Missionierung im Sinne von Zwangsbekehrung geben! Die Muslime waren und sind einzig und allein dazu aufgerufen, die Menschen zu dem einzuladen, was sie für den rechten Weg halten. Deshalb sagt Gott im Koran:

„Sprich: «O Volk der Schrift (Thora und Evangelium), kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: dass wir keinen anbeten denn Gott und dass wir Ihm keinen Nebenbuhler zur Seite stellen und dass nicht die einen unter uns die anderen zu Herren nehmen statt Gott.» Doch wenn sie sich abkehren, dann sprecht: «Bezeugt, dass wir uns (Gott) ergeben haben.»“ (Sure 3,64).

Diese Aufgabe wird Da’wa genannt, was man mit „umwerbende Einladung“ übersetzen kann. Und wie dem eingangs zitierten Vers zu entnehmen ist, haben sich die Muslime bei dieser Einladung mit den Menschen auf die beste Art zu streiten. Es wäre nicht rechtens, sie zum Islam zu zwingen oder ihre Notlage missbrauchend mit materiellen Versprechungen zu locken. Auch die Vorstellung einer „Islamisierung der Welt“, die auch heute noch von Eiferern angestrebt wird, ist angesichts der daraus entstehenden gewalttätigen Verwerfungen nicht mit dem Islam vereinbar, dessen oberste Prämisse heißt: in Frieden leben. Und wichtig für uns ist: die überwältigende Mehrheit der Muslime in Deutschland hat mit einer solchen „Islamisierung“ nichts im Sinn.

Gott sagt im Koran mit Blick auf Juden und Christen unmissverständlich:

„Für jeden von euch haben Wir eine Richtung und einen Weg festgelegt. Und wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Doch will er euch prüfen in dem, was Er euch hat zukommen lassen. So eilt zu den guten Dingen um die Wette.“ ( Sure 5,48)

Gott hat nicht gewollt, dass sich alle Menschen zu einer einzigen Religion bekennen. Die religiöse Verantwortung ist individuell. Muslimisch handelt deshalb in erster Linie jener, der aufgrund seines Glaubens genügend Selbstvertrauen hat, um seinen Mitmenschen deren eigenen Glauben ohne Wenn und Aber zuzubilligen. In diesem Sinne haben sich 138 religiöse Führer der Islamischen Welt im Oktober 2007 in einem offenen Brief an die Christen gewandt. Wörtlich schreiben sie:

„Muslime und Christen stellen gemeinsam mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Ohne Frieden zwischen diesen beiden religiösen Gemeinschaften kann es keinen wirklichen Frieden in der Welt geben. Die Zukunft der Welt hängt vom Frieden zwischen Muslimen und Christen ab.“

Das Fundament für Frieden und gegenseitiges Verständnis sind zwei Grundprinzipien beider Glaubensüberzeugungen:

Liebe den einen Gott und liebe deinen Nächsten.

Die Einzigkeit Gottes, die Notwendigkeit, ihn zu lieben, und die Notwendigkeit der Liebe zum Nächsten sind daher eine gemeinsame Basis für den Islam und das Christentum. Zum Thema Nächstenliebe sagt der Prophet Mohammed:

"Niemand von euch hat den Glauben, es sei denn ihr liebt euren Nächsten mit derselben Liebe, mit der ihr euch selbst liebt." (Sahih Buchari)

U hier kann man den Vortrag auch hören

 

 Stuttgart                                                                                                                                                                  Dezember 2007

Aiman Mazyek

Aachen,

Das Islamische Wort -SWR

Jesus im Islam

Bismillahirrahmanirrahim

Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen.

Eine der Kernaufgaben des interreligiösen Dialogs besteht darin, Unterschiede darzustellen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Im christlich-islamischen Dialog ist das auf sehr eindruckvolle Weise an den Beispielen von Jesus und Maria möglich. Denn beide, der Prophet Jesus wie auch seine Mutter Maria, genießen ein ausgesprochen hohes Ansehen im Islam.

 

Nach Maria ist ein ganzer Koranabschnitt – eine Sure – benannt. Der Prophet Muhammad spricht von Maria als die „beste Frau auf dieser Welt“. Nach islamischem Verständnis ist Marias Schwangerschaft ein Zeichen Gottes. Erschrocken wendet sich Maria in Sure 3 Vers 45 an ihren Schöpfer und spricht: „Mein Herr, soll mir ein Sohn (geboren) werden, wo mich doch kein Mensch (ﺭﺷﺒ) berührte?“

 

Und so wird Jesus auf wunderbare Weise geboren - mit dem Befehl Gottes, der auch den ersten Menschen Adam ohne irdischen Vater hervorgebracht hat. Im Koran lesen wir: „Wahrlich, Jesus ist vor Gott gleich Adam; Er erschuf ihn aus Erde, alsdann sprach Er zu ihm: ‚Sei!’ und er war.“(Sure 3:59)

 

Muslime respektieren und verehren Jesus, so wie sie auch den anderen Gesandten Gottes mit Hochachtung und Ehrerbietung begegnen. Die Gläubigen, so der Koran, „glauben an Gott und Seine Engel, an Seine Bücher und Seine Propheten. Wir machen keinen Unterschied zwischen Seinen Gesandten“ (Sure 2:285). Mit Büchern sind hier die Thora und das Evangelium gemeint, an die Muslime in ihrer herabgesandten Form glauben.

 

Aus der hohen Wertschätzung, der Jesus im Islam zuteil wird, lässt sich auch erklären, warum Muslime sich verletzt fühlen, wenn Jesus zuweilen in Filmen und Karikaturen in beleidigender Weise dargestellt, oder wenn sein Ansehen in Büchern geschmäht wird. Viele Muslime empfinden bei der Verunglimpfung von Jesus genauso viel Trauer oder auch Empörung wie bei der Verunglimpfung Mohammeds.

 

Christen und Muslime glauben an den einen Gott, der uns Menschen erschuf, die Welt und den Kosmos formte und der Anfang und Ende kennt.

 Nach muslimischer Gottesvorstellung ist und bleibt Gott eins und ungeteilt (Sure 5:116). Jesus ist - entgegen der christlichen Lehre - nicht Sohn Gottes. „Es (ist nicht an Gott) steht Gott nicht an, sich einen Sohn zu nehmen. Gepriesen sei Er! Wenn Er etwas beschließt, so spricht Er nur: ‚Sei!’ und es ist. (Sure 19:35)

 

Jesus ist Gottes Gesandter für sein Volk, die Juden, und in diesem Sinne wird er Mahdi (Messias) genannt, der vor dem Tag der Auferstehung nochmals diese Welt betreten wird.

 

Alle Propheten, wie auch der Prophet Jesus, sind mit Wundern bedacht worden. Im Koran spricht Jesus zu den Menschen: „Seht, ich bin zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn gekommen“. Zum Ende desselben Verses heißt es: „Ich heile den Blindgeborenen und den Aussätzigen und mache die Toten mit Gottes Erlaubnis lebendig (Sure 3/49).

 

Wie Muhammad kam Jesus nicht, um die Grundlehre früherer Propheten - den Glauben an den einen Gott - zu ändern. Jesus kam, um sie zu bekräftigen und zu erneuern. Es gibt noch einen wesentlichen Unterschied zwischen christlichem und islamischem Jesusverständnis. Nach islamischer Auffassung ist Jesus von Nazareth nicht am Kreuz gestorben. Die Feinde Jesu wollten ihm zwar schaden, doch, so heißt es im Koran, „sie machten Pläne und Gott macht Pläne, und Gott macht die besten Pläne“ (Sure 8:30). „...sie sprachen: „Wir haben den Messias, Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Gottes getötet“, während sie ihn doch weder erschlagen noch gekreuzigt hatten, sondern dies wurde ihnen nur vorgetäuscht...“ (Sure 4:157) Die meisten Koranausleger erklären diesen Vers als „er schien ihnen so“, d.h. der Mann, der von den Feinden Jesus getötet und gekreuzigt wurde, schien nur Jesus zu sein, war es aber tatsächlich nicht. Und schließlich heißt es „Vielmehr hat Gott ihn zu Sich emporgehoben, und Gott ist Allmächtig, Allweise.“ (Sure 4:158)

Wenn die Christen an Weihnachten die Geburt von Jesus feiern, so ist das auch für Muslime ein Freudentag, wegen der hohen Wertschätzung die Isa – so das arabische Wort für Jesus – im Islam genießt. 

U hier kann man den Vortrag auch hören

 

Kein Zwang im Glauben
 

Bismillahirrahmanirrahim

                           Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen.

                        Laa ikraha fi`d-diin - Es gibt keinen Zwang in der Religion !

Bekir Alboga, Mannheim

Islamisches Wort

 

Wir finden diese göttliche Aussage im Koran. „Kein Zwang in der Religion“, das lesen wir in Sure 2, Vers 256. Al-Baqara – so heißt die längste Sure, die für uns ein Resümee der letzten Botschaft Gottes an die Menschheit ist.

 

„Gott - es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen, dem Aus-Sich-Selbst-Seienden und Allerhaltenden. Weder Schlummer ergreift Ihn noch Schlaf.“ Das steht in Vers 255 der gleichen Sure. Und dann im nächsten Vers ermahnt uns Gott, er zeigt uns den Weg, er gibt uns in seiner letzten Botschaft an die Menschen eine klare Weisung: „Es soll kein Zwang sein in der Religion“ - Laa ikraha fi`d-diin. Das ist die Krönung seiner Botschaft von Adam (a.s.w.s.) dem ersten bis zu Mohammed (s.a.w.s.) dem letzten Propheten. Das Wort ad-diin kann sowohl als Religion als auch als Glaube wiedergegeben werden. Das bedeutet, dass wir dieses Wort Gottes als „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ oder auch als „Es soll kein Zwang sein in der Religion“ übersetzen können und beide Interpretationen sind richtig. Wir können es sogar als „Es soll kein Zwang im Religionsrecht bzw. -gesetz sein“ wiedergeben.

 

Dieses sagt nicht irgendein Idol oder Religionsführer. Es stammt nicht aus der Feder eines Gelehrten, dessen Aussage ein anderer Gelehrter rückgängig machen oder relativieren könnte. Diese Aussage kommt von Gott. Kein Gelehrter, kein Frommer, nicht einmal der Prophet kann sie außer Kraft setzen.
 

Die Muslime müssen demnach hinsichtlich der Religionsausübung dem allumfassenden Prinzip der Toleranz folgen. Im Koran steht nicht: Laa ikraha fil-Islam – „Kein Zwang im Islam“. Das ist wichtig, für Muslime und ebenso für Nicuslime. Denn damit tritt die Tragweite dieser Aussage erst richtig zu Tage. So wie niemand gezwungen werden darf, den Islam anzunehmen, so darf auch niemand gezwungen werden, dem Christentum, Judentum oder irgendeiner Religion beizutreten. Dass der göttliche Grundsatz, kein Zwang in der Religion, im Laufe der Geschichte verdreht, missachtet und missbraucht worden ist, ändert nichts an seiner universellen Aussage. Der Islam betrachtet die Annahme einer Religion erst dann als gültig, wenn sie freiwillig und ohne Zwang geschieht.  Das ist ein Beleg dafür, wie viel Wert Gott dem freien Willen eines jeden einzelnen Menschen beimisst. Und gerade deswegen lehnt der Islam die Annahme einer Religion oder auch die Abkehr davon aufgrund von Zwang ab.

Gott überlässt die Deutung dieser wichtigen Koranstelle nicht Menschen. Nicht einmal seinem Propheten, über den er als Botschafter den Menschen verkündet: „Wenn dein Herr es gewollt hätte, so hätten alle Menschen auf der Erde sich die Wahrheit angeeignet und geglaubt. Willst du etwa Menschen Gewalt antun, damit sie glauben.“ (10:99)

 

Nun frage ich diejenigen, die versuchen, die Welt im Namen des Islams mit ihrem Terror zu überziehen, ob sie ihre Religion wirklich verstehen. Ich frage mich, ob diese Leute normal sind? Nein, sie sind nicht normal. Denn sie begreifen einen wesentlichen Grundsatz des Islams nicht. Sie sitzen einem Wahn auf. Sie wollen der Welt ihr krankhaftes Verständnis von Religion, Kampf und Gerechtigkeit aufzwingen. „Kein Zwang im Glauben“ - das verneint nicht nur, jemand anderem eine bestimmte Interpretation, eine bestimmte Spielart eines Glaubens aufzuzwingen. Es bedeutet auch, Zwang gegen sich selbst ist nicht statthaft. Fanatismus, Extremismus, Terrorismus – das ist Zwang (Ikraah). Gott verbietet Ikraah. Er will keinen Fanatismus, und Er will keinen Extremismus.

 

Die Religion mit Feuer und Schwert zu verbreiten; Apostaten mit dem Tod zu bestrafen, Künstlern mit Mord zu drohen; Zwangsheiraten anzuordnen;  Sippenmorde zu begehen, die traditionell und unzutreffend Ehrenmorde genannt werden - das sind alles Handlungen, die unzutreffend mit islamischen Prinzipien gerechtfertigt werden. Es sind Handlungen, bei denen gegen den koranischen Grundsatz verstoßen wird: „Kein Zwang in der Religion“.

 

Menschen, die offenen Herzens sind und ihren Verstand benutzen, können zwischen Wahrheit und Irrtum unterscheiden. Unsere Aufgabe als muslimische Gemeinschaft ist es nicht, Menschen mit Zwang zum Islam zu bekehren oder Muslime zu einer bestimmten Auslegung des Islams zu zwingen. Wir können Nicuslime wie auch Muslime nur dazu einladen, über den Islam und seine Botschaft nachzudenken. Gott möchte, dass wir über seine Zeichen nachdenken und dass wir Einsicht haben. Er zwingt uns nicht zum Gebet, aber er ermahnt uns dazu, weil es besser ist für die Gläubigen. Er zwingt uns nicht zum Glauben, aber er verspricht Belohnung jenen, die seinen Worten folgen – freiwillig! 

 

Denn er sagt:
Laa ikraha fi`d-diin -

Es gibt keinen Zwang in der Religion! als PDF zu lesen

 

Zitat

»Muslime verurteilen jede Art von Terrorismus. Ich persönlich verurteile jeden,

der im Namen des Islam den Terrorismus als Waffe benutzt und unschuldige Zivilisten tötet.«

Bekir Alboga

 

 

 Stuttgart                                     

 "Islamisches Wort"

Hilal Sezgin
Islamisches Wort
September 2007

Der Mensch und Gottes Zeichen 

Wenn sich der Gläubige aufmerksam in der Welt umsieht, heißt es im Koran, erblickt er überall die Zeichen Gottes. Diese Zeichen können alles Mögliche sein: "Im Wechsel der Nacht und des Tages und in allem, was Gott in den Himmeln und Erden erschaffen hat, sind wahrlich Zeichen für gottesfürchtige Leute", so die zehnte Sure. An anderen Stellen erwähnt der Koran das Reifen der Frucht und den Lauf der Gestirne. Er spricht vom Grün, vom Regen und vom Blitz, der die Menschen an "Furcht und Hoffen" erinnert. Er erzählt vom Entstehen des Lebens aus Staub und Wasser.

Es sind wunderschöne Verse, bei denen die poetische Sprache des Korans auch in der Übersetzung deutlich zu spüren ist. Allerdings haben sich viele moderne Leser angewöhnt, die "Zeichen" vor allem als physische, als stoffliche Zeichen zu lesen. Man meint, naturwissenschaftliche Vorgänge angesprochen zu sehen: das Rotieren der Planeten, die Photosynthese, die Evolution. Diese Sicht entzaubert die Poesie ein wenig, denn wenn es die Schwerkraft ist, die Mond und Erde aneinander bindet, wo soll darin ein Hinweis auf das Wirken Gottes sein?

Umgekehrt sagen manche Muslime: Seht ihr, der Koran fordert uns zur Wissenschaft auf! Vielleicht tut er das. Ja, auch Astronomie und Evolution lassen uns staunen. Doch die Zeichen Gottes erschöpfen sich nicht in solcher "Beweiskraft". Von Gottes Macht zeugt eben nicht nur die Physik, sondern auch die Metaphysik, die Seele. Der Koran erwähnt die unterschiedlichen Sprachen und Hautfarben der Menschen und schließlich die Liebe.

"Zu seinen Zeichen gehört auch, dass er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt", heißt es in Sure 30.

 

 

 

 

 

Alles, was das Wesen der Menschen ausmacht und sie zueinander führt, sind "Zeichen für nachdenkende Leute".

Die Zeichen Gottes sind auch Belege für die Beziehung des Schöpfers zum Geschöpf. Er lässt Korn und Dattel für uns keimen, er hat Vieh für uns geschaffen und die Honigbiene. Unzählig sind die Gaben, die der Koran anführt, um uns Gottes Fürsorge zu beweisen.

Doch ist das alles, was wir in den Tieren sehen können? Dass sie da sind, um uns zu nähren und zu versorgen? Und das wäre eben der Irrtum: die Zeichen Gottes so zu lesen. In Sure 6 heißt es: "Keine Tiere gibt es auf Erden und keinen Vogel, der mit seinen Schwingen fliegt, die nicht Völker sind wie ihr. ... Letztlich werden sie zu ihrem Herrn versammelt." Das heißt, auch für die Tiere gibt es ein Leben nach dem Tod, eventuell sogar den Tag des Jüngsten Gerichts.

Und Gottes Fürsorge gilt auch dem Tier. Sure 11: "Kein Lebewesen gibt es auf Erden, dessen Versorgung ihm nicht obläge; und er kennt seinen Aufenthaltsort und seinen Ruheplatz. Alles ist klar verzeichnet." Gott wacht über jedes Einzelne!

Wir Menschen neigen dazu, diese Stellen des Korans zu überlesen. Wir beziehen den Lauf der Natur und das Wachsen der Frucht natürlich nur auf uns... So aber steht es nicht im Koran. Wenn wir die Zeichen sorgfältiger lesen, sagen sie uns womöglich: Die Welt ist für uns - aber nicht nur für uns, sondern auch für das Vieh, die Honigbiene und sogar die unscheinbare Ameise gemacht.

Die Zeichen Gottes sind unter anderem in 6:99, 10:5-6, 30:19-25 erwähnt; Tiere unter anderem in 6:38, 11:6, 16:5-8, 24:41, 29:60.

 

 Stuttgart                                       "Islamisches Wort"

Aiman Mazyek 
Islamisches Wort August 2007
Islam und Gewalt
Islam und Gewalt; Islam und Terrorismus, 
das sind Begriffskombinationen, die heute leider beinah in aller Munde sind, 
Begriffe die sich gegenseitig ausschließen. 

 

Und doch dürfen wir nicht so tun, als führten wir eine den Muslimen aufgezwungene Diskussion. Es gibt diesen im Namen des Islams begangenen Terrorismus. Die Anschläge von New York, Madrid und London zeugen ebenso davon wie die Selbstmordattentate von Riad, Tel Aviv, Istanbul und Scharm el-Scheich. Nicuslime wurden genauso Opfer dieses religiös bemäntelten Irrsinns wie Muslime.

Angesichts des unendlichen Leids, das diese Terroristen über unzählige Menschen gebracht haben, müssen wir uns fragen: Warum verüben manche Muslime solche abscheulichen Taten? Und warum tun sie so, als seien Juden und Christen die eingeschworenen Feinde des Islams?

Haben denn die Attentäter nicht gewusst, dass der Islam den Schutz von Synagogen, Kirchen und Moscheen gleichermaßen gebietet? ( Sure 22,Vers38 ff)

Wissen sie denn nicht, dass der ehrwürdige Prophet Muhammad – Friede sei mit ihm – ausdrücklich fordert, Christen und Juden unbehelligt zu lassen?

Wissen sie nicht, dass er angekündigt hat, am Jüngsten Tag als Fürsprecher der ungerecht behandelten Christen und Juden aufzutreten (Hadith, Abu-Daoud, Hassan).

Und des weiteren sagt er: “Der Gläubige ist derjenige, vor dem die Menschen in Sicherheit sind (Hadith, Tirmidhi im Kapitel Iman, Ibn-Magah im Kapitel Fitan und  Ibn-Hanbal in Al-Sunan).“

Er sagt nicht, „vor dem allein die Muslime in Sicherheit sind“, sondern er spricht von allen Menschen – ungeachtet ihrer Glaubenszugehörigkeit.

Ist den Mördern – und nur so kann ich diese Selbstmordattentäter bezeichnen, die meinen, unschuldiges Blut in ihrem vermeintlichen Krieg vergießen zu müssen – denn entgangen dass der Koran Mord und Selbstmord verbietet? (Sure 4, Vers29; Sure 5,Vers 32)

Wut und Trauer erfassen viele Menschen und gerade auch Muslime angesichts dieser Fragen.

Moscheen und muslimische Verbände hierzulande haben diesen Terrorismus wiederholt mit Wort und Tat eindeutig verurteilt. Das ist auch gut so. Doch ich erwarte mehr als nur die tiefe Abneigung gegenüber diesen Terrorgruppen.

Gerade von hochrangigen islamischen Geistlichen und Gelehrten erwarte ich viel mehr. Es ist wichtig, einen auf friedliche Koexistenz ausgerichteten Islam zu predigen. Doch der Koran fordert mehr. Er fordert die Muslime ausdrücklich auf, gerecht zu handeln: „Seid Wahrer der Gerechtigkeit [...], auch wenn es gegen euch selbst oder die Eltern und nächsten Verwandten sein sollte!“, heißt es im Heiligen Buch der Muslime. (Sure 4, Vers 135)

Es ist höchste Zeit zur muslimischen Selbstkritik, die einen wunden Punkt der derzeitigen muslimischen Geisteswelt ansprechen muss. Der sogenannte islamitische Terror etwa eines Osama bin Laden ist nicht zuletzt das Produkt muslimischen Fehldenkens. Ein Denken, das nihilistische und totalitäre Züge aufweist, die in dieser Größenordnung bisher in der islamischen Welt beispiellos sind. Der Prophet – Friede sei auf ihm - hat selbst in den bedrängtesten Momenten, als die schiere Existenz seiner Gemeinde auf dem Spiel stand, kein Kamikaze- und kein Himmelfahrtskommando angeordnet.

Der Irrglaube, über terroristische Aktivitäten und die Pervertierung der eigenen religiösen Grundsätze Veränderungen herbeiführen zu können, trägt gegenwärtig leider maßgeblich zum Erscheinungsbild des Islams bei.

Dabei wird bedauerlicherweise zumeist übersehen, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime sich damit keineswegs identifiziert, sondern vielmehr Abscheu und Ekel davor empfindet.

Unser Prophet hat eindringlich vor solchen Leuten in den eigenen Reihen gewarnt, in dem er sagte: „Nein der Übertreibung in der Religion“, ( Gesammelte Hadithe, „Riyadh as-Salihin“) und er wiederholte dies dreimal hintereinander. Das arabische Wort für Übertreibung „Assabiye“, heisst auch soviel wie fanatisch, Übertreiber in der Religion.

Die Botschaft des Islams lautet heute wie früher: Nicht über die Macht, sondern über die Moral! Mit einem guten Charakter und der Hingabe an Gott sind die wahren Erfolge im Diesseits und bei Gott zu erzielen.

Doch wir scheinen geradewegs auf einen „Jakobiner-Islam“ zuzusteuern, zu dem offenbar auch manche Muslime eine gewisse Affinität entwickelt haben. Damals, nach der Französischen Revolution, errichtete Robespierre eine alleine auf Macht gegründete Schreckensherrschaft. Später versuchte er dann, das große Köpferollen nachträglich moralisch zu legitimieren. So ähnlich gebärden sich auch die Terroristen mit ihrem „Guillotinen-Islam“. Sie morden und ziehen den Islam mit ihren schändlichen Taten in den Schmutz. Alle Versuche, ihr unmoralisches Vorgehen mit islamischen Grundsätzen zu rechtfertigen, sind verwerflich und zum Scheitern verurteilt.

Solange einzelne Muslime meinen, mit allen menschlichen und zivilisatorischen Konventionen, ja mit den Geboten des Islams selbst brechen zu können, um blind zuzuschlagen, haben wir ein beträchtliches innerislamisches Problem. Die Attentäter von Glasgow kamen – so schmerzlich es für Muslime auch klingen mag – aus den Reihen der dortigen Gemeinde und waren bekannt.

Die Selbstmordattentate vor der Roten Moschee in Islamabad und die zahllosen Selbstmordanschläge im Irak sind weitere traurige Belege einer krassen Fehlentwicklung. Wir Muslime dürfen davor nicht einfach die Augen verschließen.

Wir dürfen uns aus falsch verstandener Brüderlichkeit nicht scheuen, die Dinge beim Namen zu nennen. Ob das im „fernen“ England der Fall ist oder ob es die „Kofferbomber“ hierzulande sind.

Couragiert ist der, der jenen Schreibtischtätern, Halbgelehrten und sonstigen Anstiftern ein lautes Nein entgegenhält. Denn diese Leute versuchen, die vielen ungerecht behandelten, gefolterten und getöteten Muslime in der Welt für ihre finsteren Zwecke zu instrumentalisieren. Sie verweisen zwar richtigerweise auf das Unrecht, welches diesen Menschen tagtäglich zugefügt wird, aber sie stiften ihrerseits dazu an, im Namen des Islams unschuldige Menschen zu entführen, Bomben zu zünden oder andere barbarische Akte zu verüben.

Unsre gegenwärtige Lage ist dadurch gekennzeichnet, dass viele muslimische Aufklärer es nicht wagen, die Dinge beim Namen zu nennen. Doch wir müssen den Mut finden, diesen Kreis zu durchbrechen, weil es nicht nur um Moral und Unmoral, sondern um Gerechtigkeit geht.

Muslime müssen nicht Weltgerichte irgendwelcher Terroristen fürchten - auch wenn diese noch so inbrünstig Gottes Namen missbrauchen.

Sie müssen einzig den Tag fürchten, an dem sie vor ihrem Schöpfer stehen und gefragt werden: Was habt ihr angesichts dieser krassen Fehlenentwicklungen gemacht? Dann darf die Antwort nicht sein: Wir haben uns in der Opferrolle gefallen, uns sind die Nerven durchgegangen und wir haben dann den Islam besudelt mit dem Blut unschuldiger Menschen! Nein, das darf, bei Allah, nicht unsere Antwort sein!

 

 

 

 

 

 

 Stuttgart

"Islamisches Wort"

Hilal Sezgin, Barnstedt                                                                                                                                                                          1. Juli 2007 

Von Gottvertrauen und gebundenen Kamelen

Vermutlich kennt jeder Muslim den Ausspruch – den Hadith - des Propheten Mohammed: "Binde dein Kamel fest, und dann vertraue auf Gott." Mohammed gab diesen Ratschlag einem Mann, der - sicher fromm, doch allzu lässig - die Zügel seines Kamels auf den Boden warf und erklärte, er habe es nicht nötig, sein Tier anzubinden, denn er vertraue ja auf Gott.

 

Wie viele andere Hadithe lässt auch dieser mehrere Deutungen zu. Zunächst einmal liegt die Betonung auf der ersten Hälfte: Binde dein Kamel fest! Will heißen: Sei umsichtig und klug, handle, statt nur auf Gottes Fürsorge zu warten. In den Romanen von Karl May ist oft zu lesen, der Muslim glaube so fest an das Kismet, sein unausweichliches Schicksal, dass er sich untätig dem Lauf der Welt ergebe. Doch wenn dem so wäre, dann wäre Mohammeds kleine Gemeinde rasch verhungert oder sonstwie umgekommen. Mohammed hat – im übertragenen Sinne - sein Kamel festgebunden; er hat meditiert und praktisch gehandelt; er hat gebetet und die weltlichen Angelegenheiten seiner Gemeinde geregelt.

 Dass wir selbst tätig werden müssen, ist uns heute zumeist klar. Es ist eher die zweite Hälfte dieses Hadith’, die mich nachdenklich macht: Vertraue auf Gott. Man ist versucht es so zu verstehen, dass man sein Kamel nur gut festbinden müsse, dann werde Gott schon dafür sorgen, dass sich der Knoten nicht löst. Doch wir wissen ja eigentlich: Gott hat uns ein solches Versprechen nicht gegeben! Der Koran berichtet zwar davon, wie Gott Mohammed in vielen Angelegenheiten direkt unterstützt hat. Mohammed war Gottes Botschafter, er hatte eine Sendung. Wir Anderen aber müssen das – für uns - wohl etwas metaphorischer sehen. Wir können nicht erwarten, dass Gott jeden Gläubigen, oder jeden mehr oder weniger guten Menschen in all seinen irdischen Belangen unterstützt.

 Binde dein Kamel fest – doch der Knoten kann sich trotzdem lösen. Das Kamel könnte krank werden. Deine Eltern können krank werden. Dein Partner kann dich verlassen, du kannst einen Unfall haben. Schlimmstenfalls passieren mehrere Unglücke gleichzeitig, denn in dieser Welt werden solche Dinge nicht abgewogen und gleichmäßig verteilt.

Aber im Jenseits !?, mag man nun entgegnen. Wir können darauf hoffen, dass am Tag des Jüngsten Gerichts darauf geschaut wird, welche Absichten wir verfolgt haben, und dass der, dem unverschuldet Übel geschah, dafür getröstet und entschädigt wird. Ich gestehe: Ein bisschen beneide ich jene, die sich in jeder noch so schwierigen Situation innerlich daran festhalten können, dass später einmal alles ausgeglichen wird.

 Und dennoch: Das „Vertraue auf Gott!“ scheint bereits für das Diesseits zu gelten, in einem viel unmittelbareren Sinne. Es heißt nicht, dass jede Unternehmung automatisch glückt, die wir mit Gottvertrauen beginnen. Es heißt nicht, dass solches Vertrauen jeden Schmerz fernhält. Doch auch mit all ihren Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten ist etwas an dieser irdischen Welt so gut, dass wir aufgefordert sind, sie als Gottes Werk zu verstehen. Wir sind Teil seiner Schöpfung und sollen in ihr leben und handeln.

 Vielleicht kann man diese Aufforderung auch umdrehen: Nicht Gott fordert uns zum Vertrauen auf, sondern das Vertrauen führt uns zu Gott! Die tieferen Regeln dieser Welt sind für uns nicht erkennbar, ihre Abläufe nicht wirklich kontrollierbar: Die Schwierigkeit, sich ihr trotzdem anzuvertrauen, stellt sich für gläubige und nichtgläubige Menschen gleichermaßen. Ohne Vertrauen ließe sich kein Fuß vor den anderen setzen. Und den Grund für dieses Vertrauen nennen wir Gläubigen: Gott.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Stuttgart

"Islamisches Wort"

Bekir Alboga

Das Islamische Wort im SWR

04.05.2007

 

die Notwendigkeit des Dialogs miteinander

Bismillah ir-Rahman ir-Rahim -  Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen !

„Ruft mich, ich werde euch antworten“, sagt Gott (Sure 40:60) im heiligen Buch der Muslime, dem Koran. Es ist ein Aufruf zur Zwiesprache mit unsrem Schöpfer. Es ist eine Aufforderung zum Dialog mit dem Herrn der Welten, der den Menschen geschaffen hat aus Lehm (Sure 15:26) und ihn lehrte, was er nicht wusste (Sure 96:5).

Gott will, dass wir mit ihm sprechen – mit ihm kommunizieren. Er gibt uns dazu nicht nur ausdrücklich die Erlaubnis, nein, er fordert uns dazu auf! Und er gibt uns die nötigen Mittel – den Verstand, die Sprache und das Gebet.

Das Gebet zu Gott ist Zwiesprache und Dialog mit Ihm – gemäß seiner Aufforderung „Ruft mich, ich werde euch antworten.“

Gott hat den Menschen in  einer besonderen Weise und in einer schönen Gestalt erschaffen. Unser Prophet Muhammed, Gott segne ihn und schenke ihm Heil,  berichtet, dass Gott dem Menschen, die Vernunft mit auf den Weg gab. Immer wieder gemahnt uns Gott im Koran, diese Vernunft auch zu gebrauchen.

In Seiner letzten Offenbarung an die Menschen - im heiligen Koran - fordert Gott die Gläubigen nachdrücklich zum Miteinander auf (Sure 2:148). Die Menschen sollen das Gespräch miteinander suchen, den Dialog. Gott hat die Menschen als soziale Wesen geschaffen, mit der Fähigkeit zu Kommunizieren.

Und Gott hat die Menschen auch unterschiedlich erschaffen. Vor Ihm sind sie alle gleich (Sure 17:70), aber in ihrem Leben und Wirken, in ihrer Erscheinung und ihrem Aussehen sind sie unterschiedlich. Sind diese Unterschiede für Gott erheblich? Nein! Und damit die Menschen aus diesen Unterschieden keine Gründe für Zwist und Hader ableiten, fordert er seine Gesandten wie Moses, Jesus und Muhammed, Friede sei mit ihnen, dazu auf, stets den Dialog zu suchen: Im Koran sagt Gott: „O ihr Menschen, Wir haben euch von einem Mann und einer Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen lernt.“ (Sure 49:13)

Mit diesem Koranvers macht Gott das Kennenlernen untereinander zur Basis des sozialen Lebens der Menschen. Neben dem Glauben, der Gerechtigkeit und Nächstenliebe wurde der Dialog zur Grundlage des menschlichen Miteinanders und der Begegnung mit Gott gemacht.

Unser Prophet Muhammed, Friede sei mit ihm, sagt: Der beste unter den Menschen ist der, der den Menschen am nützlichsten ist.“ Das heißt: Die würdevolle Menschlichkeit wird daran erkennbar, wie sehr wir uns füreinander einsetzen, wie sehr wir uns gegenseitig um uns kümmern. Der Gesandte Gottes hat gesagt: „Ein (wahrer) Muslim ist der, der mit seinen Mitmenschen leicht umgeht und mit dem die Menschen einfach und unkompliziert umgehen können.“

Fünfmal am Tag treten wir Muslime im Gebet in einen Dialog mit Gott. Es ist unsre spirituelle Begegnung mit dem Schöpfer, aus der wir Kraft und Zuversicht für die Begegnungen und den Dialog mit unseren Mitmenschen ziehen. Gemäß dem Beispiel unseres Propheten Muhammed, Friede sei mit ihm, lassen Sie uns miteinander den Dialog pflegen – so innig, wie wir Muslime ihn wenigstens fünfmal am Tag mit unserem Schöpfer pflegen sollen.

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Aiman Mazyek

Islamisches Wort SWR

20.04.07                                             

Barmherzigkeit und Gnade – Gottes oberstes Prinzip

Bismillahi arrahami arrahim.

 

Mit dieser Einleitung beginnen wir Muslime unser Denken und Handeln: „Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen“. Es ist das Gefühl und auch die  Gewissheit, im Alltag, im Beruf, beim Autofahren oder im Kreis unsrer Familie, Gottes Gnade zu erfahren. Jeder Mensch wünscht sich, dass sein Tun gute Wirkung entfaltet, gesegnet ist. Mit den Worten „Bismillahi arrahami arrahim“ habe ich denn auch dieses erste „Islamische Wort“ im SWR begonnen. Ich bitte Gott um Seinen Segen für dieses Wort.

 

 

Rahma – die einleitend erwähnte Barmherzigkeit Gottes – kommt als Eigenschaft und als Name Gottes mehr als 700 Mal im Koran vor. Damit gehört es zu den am häufigsten erwähnten Attributen Gottes. Es bedeutet, jemandem Wohltat und Güte zu gewähren, vielleicht sogar, ohne dass dieser es unbedingt verdient, es aber trotzdem erhält. Und dies beschreibt exakt die Beziehung zwischen Gott und den Menschen.


Gott stellt seine Barmherzigkeit im Koran gegenüber seinen Geschöpfen als „grenzenlos“ dar. Im Koran, dem heiligen Buch der Muslime, lesen wir, ich zitiere: „Er hat sich zur Barmherzigkeit verpflichtet“ (Sure 6/12).  Rahma, als oberstes göttliches Handlungsprinzip, zieht sich wie ein roter Faden durch unser gesamtes Dasein hindurch.

Arrahim, vom selben Wortstamm wie Rahma, bedeutet im Arabischen auch: Mutterleib. Es ist der Ort, wo das Kind vollkommen geschützt heranwächst. Im Koran heißt es: „Er ist es, der euch im Al-Rahim gestaltet“ (Sure 3/6). Das liebevolle, mütterliche Kümmern ums eigene Kind kommt der Beschreibung sehr nah, wie Gott mit seinen Geschöpfen umgeht. Es ist demnach eher ein mütterliches Verhältnis zwischen Gott und uns Menschen als ein väterliches.
 

Die Barmherzigkeit kommt nicht nur in der Beziehung zwischen Gott und den Menschen zum Tragen, sondern auch die Beziehungen der Menschen untereinander sollen von Barmherzigkeit geleitet sein. Nicht von ungefähr gibt es Namen wie Abdul-Rahman oder Abdul-Rahim, was so viel heißt wie Diener des Barmherzigen.

Der Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm) sagte einmal: „Ihr werdet das Paradies nicht betreten, bevor ihr nicht barmherzig handelt.“ Seine Anhänger sagten: „Wir sind doch alle barmherzig.“ Er sagte: „Es ist nicht (nur) die Barmherzigkeit unter Euresgleichen, sondern die Barmherzigkeit gegenüber allen (Menschen); er wiederholte: die Barmherzigkeit gegenüber allen.“  
 

Ich persönlich meine, dass die Barmherzigkeit Gottes uns die Kraft des Verzeihens, der Gnade gibt, die stärker ist als die des Hasses und der Zerstörung. Sprechen wir eine barmherzige Sprache miteinander? Haben wir die Kraft zur Barmherzigkeit auch in Extremfällen?

Eine äußerst schwierige Frage, eine nahezu unlösbare Herausforderung besonders für Opfer von Hass und Zerstörung, wie die aktuelle Diskussion um die Begnadigung ehemaliger RAF-Terroristen zeigt. 
 

Wir Menschen mit unserem begrenzten Wissen sind auf Gottes Rechtleitung existenziell angewiesen. Die Rechtleitung hat ihren Ursprung wiederum in Gottes Barmherzigkeit, damit der Mensch nicht irre geht.

Frauen und Männer in Geschichte und Gegenwart tragen Gottes Barmherzigkeit weiter – sozusagen als Botschafter für die Menschen. So werden z.B. die Propheten Moses, Jesus oder auch Mohammad – Friede sei mit ihnen allen – aber auch Maria, der im Koran zu Ehren eine ganze Sure gewidmet ist, als Träger der Barmherzigkeit Gottes beschrieben.
 

Unser Bündnis mit Gott ist stets von der Hoffnung getragen, dass unsre Vergehen und Versäumnisse vom Barmherzigen vergeben werden. Gott sagte mittels seines Gesandten Mohammad: „O Mensch, wenn auch deine Missetaten bis zu den Wolken des Himmels reichten, und du Mich um Vergebung bittest, so vergebe ich dir.“ (Hadith Kudsi nach Thirmisi)
 

Eindringlich ruft Gott die Menschen im Koran auf: „Verliert nicht die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit. Gewiss, Gott vergibt alle Sünden. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.“ (Sure 39/53).

 

 

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Stand: 29.02.2012